Wirtschaft : Neuer Markt: Bei der Neu-Anlage sind Fonds zurückhaltend

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Die dramatische Talfahrt der Kurse am Neuen Markt hat sich am Mittwoch fortgesetzt. Wie reagieren die Manager der Neue-Märkte-Fonds? Deutliche Verkäufe waren zuletzt nicht mehr zu beobachten, doch auch die Liquiditätsquote liegt selten über zehn bis 15 Prozent. Wenn gekauft wird, dann allerdings nur ausgewählte Werte, die an der US-Technologiebörse Nasdaq notiert sind. Mit rund 6000 Titeln ist die Auswahl dort erheblich größer als am Neuen Markt, wo gut 300 Unternehmen gelistet sind.

Diese Strategie fährt zum Beispiel Wassili Papas, der für Union Investment Fonds mit Neue-Markt-Werte managt. Zum Glück, sagt er, sei er mit seiner Strategie nicht nur auf den Neuen Markt festgelegt. In den USA gebe es zur Zeit tolle Werte mit guten Perspektiven für die nächsten drei bis vier Jahre. "Wir sind zur Zeit fast voll investiert."

Bei DWS Investment nutzt man nach Angaben von Pressesprecher Eckhard Bergmann den Liquiditätsspielraum dagegen derzeit weitgehend aus. Das heißt, dass rund zehn Prozent des Volumens - etwa des Publikumsfonds Euroland Neue Märkte - in der Kasse liegen bleiben. Eine größere Liquidität könne man nicht vorhalten, schließlich investierten die Anleger ja in den Neuen Markt. Mittelabflüsse aus den Neue-Märkte-Fonds registriert die DWS derzeit nicht. Auch beim Deutschen Investment Trust (DIT) werden bei den Neue-Märkte-Fonds derzeit etwa sieben bis zehn Prozent des Fondsvolumens flüssig gehalten. "Alle Mittel die frisch hereinkommen, wandern derzeit in die Kasse. Wir halten derzeit ohne Zweifel überdurchschnittlich viel Liquidität, normal sind eher drei Prozent", sagt Pressesprecher Heinrich Durstewitz. Massiv verkauft werde vom Fondsmanagement aber auch nicht.

Friedrich Diehl, Manager des FT New Generation von Frankfurt Trust, der Fondstochter der BHF Bank, hat derzeit sogar 15 Prozent der Mittel in der Kasse. Er kauft aber auch schon wieder erste Werte, vor allem an der Nasdaq. Beim Neuen Markt ist er derzeit eher vorsichtig, zumal er damit rechnet, dass in diesem Jahr "mindestens zwei Dutzend" Unternehmen von der Bildfläche verschwinden, weil ihnen das Geld ausgeht. Aber er sieht auch viele solide Unternehmen am Neuen Markt. Spätestens ab jetzt, glaubt Diehl, werden die Anleger aber nicht mehr nur auf die Prognosen schauen, sondern vor allem darauf, dass die Unternehmen auch wirklich Gewinne machen. Auch beim FT New Generation, der sich im Vergleich zum Markt im letzten Jahr gut gehalten hat, wurden in den letzten Wochen immer noch deutliche Mittelzuflüsse registriert.

Allenthalben sind sich gerade die Manager der Neue-Märkte-Fonds sicher, dass der Kursrutsch am Neuen Markt auch durch Fonds verursacht worden ist, die alle Segmente abdecken und jetzt einen klaren Wechsel vollziehen weg von Werten der New Economy hin zu Standard-Aktien. Freilich: Längst sehen Fondsmanager wie Papas oder Diehl oder auch Friedel Helmer, Börsenchef beim Bankhaus Hauck & Aufhäuser bei einzelnen Technologie- und Internet-Werten gute Einstiegsmöglichkeiten. Bei etlichen guten Papieren gebe es eine starke Übertreibung nach unten.

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