Wirtschaft : Neuer Markt bleibt Erfolgsstory

FRANKFURT (MAIN) (ro).Der Neue Markt (NM), der Sektor der Deutschen Börse AG für junge, wachstumsstarke und innovative Unternehmen, ist zwar noch in den "Flegeljahren", steht nach Ansicht von Karl Eugen Reis, dem Leiter des Aktienresearchs bei der DG Bank, aber vor der "ersten Reife des jungen Erwachsenen".Nach über zwei Jahren sei die Zeit extremer Kursausschläge vorbei, glaubt der Banker.Der deutliche Rückgang der Kurse seit dem Höchststand des NM-Index am 1.Februar sei nach einem Plus von 174 Prozent im vergangenen Jahr "längst überfällig und angebracht" gewesen.Der Index für die mittlerweile gut 80 Werte am Neuen Markt ist von knapp 4000 auf derzeit rund 3450 Punkte zurückgegangen.Trotzdem bringen es die Unternehmen immer noch auf eine stolze Marktbewertung von gut 41 Mrd.Euro.

Trotz der rückläufigen Entwicklung steht der Neue Markt nach Ansicht von Reis immer noch sehr gut da.Während der Dax seit Jahresanfang nur mit einem mageren Plus von rund 2,5 Prozent aufwarten kann, hat der NM um 20 Prozent zugelegt.Damit hat er auch deutlich besser abgeschnitten als die vergleichbaren Börsensegmente in Frankreich oder Belgien."Nach dem Schwächeanfall gibt es nun neue Chancen", sagt Reis.Die Bewertung des NM, so die DG Bank in einer neuen Studie, habe sich zwar reduziert.Aber immer noch sollen die Erträge der Unternehmen im Durchschnitt 1999 um fast 80 Prozent und im Jahr 2000 immer noch um rund 65 Prozent zulegen."Die Erfolgsstory geht weiter", glaubt Reis, rät aber zugleich, sich bei Investments die Unternehmen nun genau anzuschauen.Dabei werden in Zukunft neben den bisher stark vertretenen Firmen der Telekommunikation, der Informationstechnologie, der Computerbranche und aus dem Medienbereich mehr und mehr auch Biotechnolgie-Unternehmen an Gewicht gewinnen.Generell ist die Anziehungskraft des Neuen Marktes ungebrochen: Allein die DG Bank hat für 1999 noch ein Dutzend Kandidaten in der Pipeline.Damit steht fest, daß in diesem Jahr die Schwelle von 100 Werten überschritten wird.

Gleichwohl agieren auch die Anleger mittlerweile nicht mehr so euphorisch."Sie differenzieren mehr.Nicht jede Neuemission ist ein Selbstläufer", weiß Reis.Bei Neuemissionen müßten sich die Anleger in Zukunft wohl mit Zeichnungsgewinnen zwischen zehn und 30 Prozent zufriedengeben.Mittlerweile hat sich auch gezeigt, daß die hohen Chancen mit hohen Risiken verbunden sind.Einige Werte kommen nicht von der Stelle, andere mußten nach einem fulminanten Start deutliche Rückschläge hinnehmen.Und zwei Unternehmen haben - eher still und leise - dem Neuen Markt den Rücken gekehrt.Die Lösch Umweltschutz AG und die Sero Entsorgungs AG stecken in solchen Schwierigkeiten, daß sie am 7.April den Rückzug vom Neuen in den Geregelten Markt antreten mußten.

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