Wirtschaft : Neuer Markt: Börse verschärft Kontrollen

Die Deutsche Börse AG will das Vertrauen der Anleger in den Neuen Markt stärken und dazu das Regelwerk verschärfen. Nach den jüngsten Negativmeldungen vom einst gefeierten Wachstumssegment der Frankfurter Börse, wie etwa von EM.TV, diskutiere man derzeit unterschiedliche Vorschläge, sagte Volker Potthoff, Vorstandsmitglied der Deutschen Börse AG. Nach Einschätzung von Experten ist eine Verschärfung der Zulassungs- und Notierungsregeln dringend notwendig.

Potthoff nannte keine Details zu möglichen Veränderungen, stellte die Bekanntgabe aber innerhalb eines Monats in Aussicht. "Es besteht Handlungsbedarf", räumte eine Sprecherin der Deutschen Börse AG ein. "Das Vertrauen der Investoren am Neuen Markt hat Schaden genommen." Derzeit würden intensive Gespräche mit Markteilnehmern, also Maklerfirmen und Emissionsbanken, geführt. Ob es auch einen Austausch mit Vertretern der US-Technologiebörse Nasdaq, dem Vorbild für den deutschen Neuen Markt, gibt, wollte die Sprecherin nicht bestätigen. "Wir schauen uns aber natürlich an, was die Börsen in anderen Ländern machen."

Durch den Haftbefehl gegen zwei Vorstände des Unternehmens Infomatec wegen des Verdachts des Insiderhandels oder die drohende Insolvenz bei Gigabell und Teamwork ist das Ansehen des Neuen Marktes schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Zuletzt hatte die Gewinnwarnung des ehemaligen Börsenlieblings EM.TV zu massiven Verlusten bei den Anlegern geführt. Insbesondere die Offenlegungspflicht von Anteilsverkäufen durch das jeweilige Unternehmensmanagement ist aus Sicht von Experten wünschenswert. Dies würde auch vom Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe) begrüßt, sagte ein Sprecher.

Die Pflicht zum Bekanntgeben von Aktienverkäufen durch Personen in führenden Positionen sei das Wichtigste, sagte etwa Wassili Papas, Fondsmanager bei Union Investment. Jeder müsse wissen, wenn sich das Management von Aktien des eigenen Unternehmens trenne, da dies ein Signal sein könne.

Markus Straub, Vorstand der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK), möchte den Kreis, für den eine Offenlegungspflicht gelten soll, auf Großaktionäre und Aufsichtsräte ausweiten. Alle Personen, "die zwangsläufig einen besseren Unternehmenseinblick haben", sollten über ihre Aktienverkäufe informieren müssen, sagte er.

Auch das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe) würde schärfere Regeln am Neuen Markt begrüßen, die bislang nur für im Amtlichen Handel, nicht aber für im Geregelten Handel notierte Unternehmen gilt. "Das würde die Transparenz fördern", sagte BAWe-Sprecher Christian Pawlik.

Außerordentlich starke Kursausschläge bei der Mobilcom AG verunsicherten am Donnerstag erneut den Markt. Ungeachtet neuer Beteuerungen der Mobilcom, ausreichend Mittel für den Aufbau eines UMTS-Mobilfunknetzes zu haben, ist die Aktie der Telefongesellschaft auf ein neues Jahrestief gefallen. Das bereits am Vortag nach Spekulationen über finanzielle Probleme stark gefallene Papier gab zeitweise um fast 35 Prozent auf 28,10 Euro nach. Händler und Analysten sagten, die Anleger seien in Panik und wüssten nicht mehr, wem sie glauben könnten. Mobilcom bekräftigte unterdessen erneut, seine Liquidität sei auch in Zukunft uneingeschränkt gesichert. Finanzchef Thomas Grenz sagte, Mobilcom könne die Finanzierung der UMTS-Lizenz auch nach Fälligkeit der Kredite 2002 aufrechterhalten. Eine der vier Hauptkreditgeberbanken versicherte das ebenfalls. Alexander Kachler, Analyst beim Bankhaus Merck Finck, sagte, die Liquidität sei bis 2002 gesichert. "Bis spätestens 2002 muss in irgendeiner Form umgeschuldet werden." Die derzeitigen Kursverluste hält Kachler, der die Mobilcom-Aktie seit Anfang Oktober auf "Underperformer" gestuft hat, für übertrieben und nicht mehr gerechtfertigt. Auch die Cinemaxx AG verlor nach der Bekanntgabe von schlechten Geschäftsergebnissen im Quratal stark an Wert. Der Technologieindex Nemax 50 büßte am Donnerstag rund 4,4 Prozent ein und lag gegen 17.00 Uhr bei 3142 Punkten.

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