Wirtschaft : Neuer Markt: Breuer bezeichnet Lage als sehr ernst

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Die Lage am Neuen Markt ist nach Ansicht von Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer sehr ernst. "Hoffnungslos ist sie aber nicht. Es gibt keine Alternative zum Neuen Markt. Wir müssen ihm eine zweite Chance geben". Die Krise sei temporär, wie lange sie dauere hänge von allen Marktteilnehmern ab. Vor allem eine größtmögliche Transparenz und ein größerer Spielraum für Börse und Aufsicht, bestehende Gesetze und Sanktionsmöglichkeiten auch durchsetzen, werde dem Neuen Markt auf die Beine helfen, sagte Breuer am Montag in Frankfurt. Entsprechende Regelungen sind nach Angaben von Wirtschafts-Staatssekretärin Margareta Wolf (Grüne) im geplanten 4. Finanzmarktförderungs-Gesetz vorgesehen.

Breuers Hoffnungsruf kam auf einem Symposium des Vereins Finanzplatz ausgerechnet an dem Tag, an dem der Index für die 50 wichtigsten Aktien des Neuen Marktes zum zweiten Mal unter die Marke von 1000 Punkten rutschte. "Ein Traum ist zerstört. Die Illusion vom Reichtum ohne Risiko ist dahin", sagte Breuer. Schuld am Desaster, das dem Finanzplatz Deutschland schade, seien alle Beteiligten von der Börse über die Banken und Berater, die Wirtschaftsprüfer bis hin zu den Anlegern. Sie alle hätten Sorgfalt vermissen und sich von der Euphorie blenden lassen. Vorsätzlich zum Schaden Dritter habe aber niemand gehandelt. "All das ist aber kein Anlass, dass Konzept des Neuen Marktes in Frage zu stellen. Aber es ist Zeit für Korrekturen und für die Stärkung des Fundamentes", glaubt Breuer.

Schärfere Gesetze sind dazu nach Ansicht des Deutsche-Bank-Chefs nicht unbedingt nötig. Allerdings müsse Börse und Aufsicht die Umsetzung erleichtert werden. Eine öffentlich-rechtliche, statt der privaten Organisation des Neuen Marktes sei dazu ein wichtiger Schritt. "Das erhöht die Durchschlagskraft". Gleiches gelte für die Arbeit des Bundesaufsichtsamtes für den Wertpapierhandel. Der rechtliche Rahmen für das Amt müsse erweitert werden. Die Banken selbst müssten die Kandidaten für den Neuen Markt viel sorgfältiger unter die Lupe nehmen, die Firmen selbst bräuchten ein professionelles Management. Wenig hilfreich für die Aktienkultur sei derzeit die Diskussion um die Telekom mit Vorschlägen wie der Ausgabe von Gratisaktien für Kleinaktionäre oder von Anwälten auf den Weg gebrachten Klagen gegen die Deutsche Bank wegen Paketverkaufs von Telekom-Aktien für einen Kunden.

Nach Ansicht von Staatssekretärin Wolf ist die Krise am Neuen Markt deshalb so gravierend, weil sie das Vertrauen der Anleger auf den Tiefpunkt gebracht hat und bis auf den Markt für Beteiligungsfinanzierung durchschlägt. "Die Volkswirtschaft braucht aber einen funktionsfähigen Markt für Risikokapital", sagt Wolf. Von einer generellen Verschärfung der Gesetze halte die Bundesregierung aber nichts, sagt Wolf. "Eine Überregulierung wäre mit steigenden Kapitalkosten verbunden und würde die Anleger noch mehr abschrecken."

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