Wirtschaft : Neuer Markt: Die Stimmung bessert sich

Am Neuen Markt geht es wieder bergauf: Gute Zahlen des US-Chipherstellers Intel, eine positive Stimmung für Technologiewerte und freundlich eröffende US-Börsen haben Händlern zufolge die deutschen Wachstumswerte am Mittwoch kräftig steigen lassen. Der Nemax-All-Share-Index, der alle Aktien am Neuen Markt abbildet, kletterte bis zum Abend um 6,4 Prozent auf 2733 Punkte. Im Verlauf war er sogar bis auf 2740 gestiegen. Damit hat der alle Werte des Neuen Markts umfassende Index in den vergangenen anderthalb Wochen um über 500 Punkte oder gut 23 Prozent zugelegt. Das Blue-Chip-Barometer Nemax-50 sprang im Vortagsvergleich um 7,7 Prozent auf 2756 Zähler. Händler sagten, bei den im vergangenen Jahr stark eingebrochenen deutschen Technologiewerten zeichne sich langsam eine Stimmungsumkehr ab. "Das Vertrauen in die Aktienkultur kehrt zurück."

Am Neuen Markt stark nachgefragt waren Intershop-Aktien. Die Aktie wurde von Übernahmespekulationen angetrieben und stieg um knapp 13 Prozent. "Da tauchen verschiedene potenzielle Käufernamen auf, vor allem SAP", sagte ein Händler. "Bei dem Preisniveau gilt Intershop als Übernahmekandidat, klar dass die Aktie davon profitiert." Sprecher von Intershop und SAP wollten die Spekulationen nicht kommentieren. Eine Kursexplosion mit plus 50 Prozent verzeichneten die Aktien des Multimediadienstleisters Popnet. Händler sagten, die Umsätze seien gering. "Fundamental gibt es nichts Neues", sagte ein Händler. "Da kauft wohl eine Adresse viel ein."

Die Angst vor weiteren Abstürzen wurde den Börsianern zusätzlich von aktuellen Konjunkturdaten aus den USA genommen. Die Regierung in Washington teilte am Mittwoch mit, die Verbraucherpreise in den USA seien im Dezember um 0,2 Prozent gestiegen. Dagegen sei die industrielle Produktion im dritten Monat nacheinander gesunken. Der Rückgang von 0,6 Prozent war der stärkste seit 1991. Für Analysten waren das Zeichen dafür, dass die Geldentwertung unter Kontrolle ist, während sich die Konjunktur weiter auf dem Weg nach unten befindet. Die US-Notenbank (Fed) könne daher auf der nächsten Sitzung Ende Januar gefahrlos zur Ankurbelung der Wirtschaft die Leitzinsen erneut senken. Der Zins für Tagesgeld beträgt seit Anfang des Monats 6,0 Prozent, der Diskontsatz 5,5 Prozent. Experten schließen eine neue Rücknahme um einen halben Prozentpunkt nicht aus. Im gesamten vergangenen Jahr betrug die Inflation nach Angaben des amerikanischen Arbeitsministeriums 3,4 Prozent nach 2,7 Prozent 1999.

Gewinneinbruch bei US-Banken

Unter der abflauenden Konjunktur und der Schwäche der Technologieaktien im Jahr 2000 haben vor allem die US-Banken zu leiden. Sie erlebten im letzen Quartal 2000 drastische Gewinneinbrüche. Die drittgrößte US-Bank J.P. Morgan Chase & Co meldete am Mittwoch in New York einen Gewinnrückgang um 65 Prozent auf 763 Millionen Dollar (1,57 Milliarden Mark) nach herben Verlusten im Investmentbankgeschäft. Die Bank One Corp (Chicago), Amerikas viertgrößte Geschäftsbank, rutschte im Schlussquartal mit 512 Millionen Dollar (1,06 Milliarden Mark) in die roten Zahlen. Bereits am Dienstag hatte die Bank of America, Nummer zwei unter den US-Kreditinstituten, für den gleichen Zeitraum einen rückläufigen Gewinn von 1,39 Milliarden Dollar (2,87 Milliarden Mark) nach 2,12 Milliarden Dollar im Vorjahr gemeldet. Als Grund nannten die Banken unter anderem die schwache Börse. Fallende Technologie- und Telekomwerte hätten die Investitionen belastet und auf den Gewinn gedrückt.

Der Euro reagierte am Mittwoch in New York mit deutlichen Kursverlusten auf die Veröffentlichung neuer US-Daten. Am Abend kostete die Gemeinschaftswährung nur noch 0,9320 Dollar und lag damit rund 0,7 US-Cents unter ihrem Eröffnungskurs von 0,9388 Dollar. Zum New Yorker Schlusskurs vom Vorabend verlor der Euro sogar über einen ganzen Cent.

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