Wirtschaft : Neuer Markt: Kinowelt hat sich beim Internet übernommen

Das Münchener Medienunternehmen Kinowelt will sich künftig auf seine Kernbereiche Lizenzhandel, Kino und DVD konzentrieren, sieht durch die Restrukturierung aber möglicherweise weitere Kosten auf sich zukommen. Er könne weitere Sonderbelastungen nicht ausschließen, sagte Vorstandschef Michael Kölmel bei der Hauptversammlung in München. "Wir werden in Randbereiche wie Internet und Merchandising nicht mehr investieren", erläuterte er. Zusammen mit einer Unternehmensberatung werde das Unternehmen in den kommenden zwei Monaten einen neuen Business-Plan erstellen, der auch Auswirkungen auf die Organisation und das Personal von Kinowelt haben könnte. Am Neuen Markt stiegen die Kinowelt-Aktien gegen den negativen Gesamtmarkt um mehr als vier Prozent auf 3,55 Euro.

"Wir haben zu viel Zeit und Geld auf Nebenrechte wie Internet und Merchandising investiert", erläuterte Kölmel vor mehreren 100 Aktionären die Fehler der Vergangenheit. Die Banken und die Märkte hätten die Expansion nicht mehr mitgetragen. "Wir mussten auf die Bremse treten." Mittlerweile habe Kinowelt auf der Passivseite der Bilanz zu viel kurzfristiges Fremdkapital angesammelt. Daher sei das Unternehmen derzeit mit den Banken in Verhandlungen über eine Änderung der Konditionen. Kinowelt werde auch nicht wie ursprünglich geplant die restlichen 90 Prozent an dem Sportvermarkter Sportwelt übernehmen, die sich derzeit noch im Besitz von Vorstandschef Kölmel befänden. Für die Internet-Aktivitäten werde ein Partner gesucht.

Hoffnung setzt Kinowelt auf internationale Koproduktionen und den boomenden Markt für DVDs, die die Videokassette zunehmend als Speichermedium für Videofilme ablösen. Schätzungen zufolge werde sich der DVD-Absatz in Deutschland von 10,5 Millionen Stück im vergangenen Jahr bis 2004 verachtfachen, sagte Kölmel. In der Sparte Home Entertainment hatte Kinowelt 2000 seinen Umsatz um 169 Prozent auf 110,6 Millionen Mark gesteigert. Bei der Filmproduktion werde Kinowelt das Engagement als Eigen- und Koproduzent verstärken, erläuterte der Vorstandschef.

Kinowelt hatte Ende Mai seine Gewinnprognosen für 2000/2001 um mehr als die Hälfte gesenkt und geht nun von einem Rückgang beim Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) (2000: 49 Millionen Mark) aus. Auch die Umsatzprognose von 700 Millionen Mark in 2001 sei nicht mehr sicher. Im ersten Quartal hatte das Ebit bei minus 30,3 Millionen Euro gelegen, was das Unternehmen auf Sonderbelastungen aus dem verlustreichen Verkauf von Anteilen und Drohverlustrückstellungen zurückführte. Vor allem der Bereich TV-Lizenzhandel hatte nur magere Umsätze erzielt. Mit dem am Freitag bekannt gewordenen Verkauf von 40 Filmen an das ZDF hat Kinowelt das erste große Filmpaket in diesem Jahr verkaufen können.

Kinowelt betreibt in Deutschland 19 Multiplexkinos. Im Bereich Filmverleih ist das Unternehmen nach eigenen Angaben im laufenden Jahr von Platz fünf auf Platz neun der deutschen Filmverleiher abgerutscht.

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