Wirtschaft : Neuer Markt: Missmanagement am Pranger

Daniel Rhee-Piening

Die Aktionärsschützer haben sie wieder an den Pranger gestellt: Die Vorstände, die das Geld der Aktionäre nicht als gute Treuhänder vermehrt, sondern verschleudert oder gar vernichtet haben. Die Firmenchefs, die vollmundige Versprechungen abgegeben haben, und das Unternehmen in die Insolvenz steuerten. Und auch die Unternehmensleitungen, die die Zeichen des Marktes nicht rechtzeitig erkannt und deshalb zu spät umgesteuert haben. Letzteres trifft leider auf so manches Unternehmen aus Berlin und Ostdeutschland zu. Hier ist der Markt besonders rauh und bestraft Fehler sehr schnell. Leider lässt sich aus der Liste keine sichere Prognose für dieses Jahr ablesen - das wäre zu schön für die Anleger. Aber immerhin zeigt sie Schwachstellen auf und kann Anleger davor schützen, in "Kapitalvernichter" zu investieren. Und die Aufstellung stützt schließlich die Forderung der Aktionärsvertreter nach schärferen Gesetzen und nach einer Haftpflicht der Vorstände. Wenn ein Unternehmenschef mit einer Schadenersatzklage rechnen muss, wird er sich seine Versprechungen genauer überlegen; wenn sein privates Vermögen in Gefahr gerät, wird er mit dem Geld der Anteilseigner vielleicht vorsichtiger umgehen.

Und die Liste kann den Vorständen ein Ansporn sein: Weg von den ersten Rängen, so lange es noch nicht zu spät ist. Hin zu den hinteren Plätzen, die in diesem Falle Kursgewinne signalisieren. Wie ein erfolgreiches Unternehmen aussieht, auch dafür gibt es erfreulicherweise ein Beispiel aus Berlin. Schering steht auf Rang 315. Jahr für Jahr konnten sich die Aktionäre über eine Performance von durchschnittlich 21 Prozent freuen. Wohl dem, der dabei war.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben