Wirtschaft : Neuer Markt: Musterprozess von Aktionären beginnt

Ein Musterprozess über Schadenersatz-Ansprüche von Kleinaktionären gegen am Neuen Markt notierte Unternehmen hat am Montag in Augsburg begonnen. Eine auf Aktienrecht spezialisierte Münchner Rechtsanwalts-Kanzlei will erreichen, dass ein Investor den Kaufpreis von rund 100 000 Mark für Infomatec-Aktien zurück erhält, weil das Unternehmen falsche Ad-hoc-Mitteilungen verbreitet habe.

Infomatec war im Sommer 1998 an den Neuen Markt gegangen und befindet sich derzeit im Insolvenzverfahren. Das Augsburger Landgericht kündigte eine Entscheidung für den 24. September an.

In der mündlichen Verhandlung ging es hauptsächlich um eine Ad-hoc-Mitteilung vom Mai 2000. Darin hatte es geheißen, Mobilcom habe von Infomatec vertraglich 100 000 Internetdecoder für Fernsehgeräte geordert. Ein Infomatec-Mitarbeiter bestätigte aber Vorwürfe des Klägers, dass nur 14 000 Stück vertraglich bestellt worden seien und für den Rest nur eine Absichtserklärung vorgelegen habe. Darüber seien sich die beiden Gründer und ehemaligen Chefs von Infomatec, Gerhard Harlos und Alexander Häfele, im Klaren gewesen.

Der Kläger gab vor Gericht an, er habe diese Ad-Hoc-Mitteilung als den Durchbruch des auf interaktives Fernsehen spezialisierten Unternehmens gewertet und daraufhin sein Aktienpaket gekauft. Die Klage richtet sich sowohl gegen Infomatec selbst, als auch gegen Harlos und Häfele persönlich, deren Vermögen von der Augsburger Staatsanwaltschaft gesperrt wurde. Das Verfahren hat nach Einschätzung von Fachleuten Präzedenz-Charakter.

Allein die Kanzlei des Münchner Anwalts Klaus Rotter vertritt nach eigenen Angaben rund 200 weitere Aktionäre des Augsburger Unternehmens. Kanzleisprecher Bernd Jochem sieht für die Kläger gute Chancen, da die Staatsanwaltschaft das Verfahren unterstütze: "Wir haben sehr gut zusammengearbeitet und sehr umfangreich Akteneinsicht bekommen", sagte Jochem. Die Augsburger Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Harlos und Häfele wegen des Verdachts falscher Ad-hoc-Mitteilungen und verbotenem Insiderhandel. Unter anderem sollen die Firmengründer mit einer falschen Nachricht über einen angeblichen Großauftrag den Aktienkurs von Infomatec verdoppelt und anschließend eigene Aktien für 56 Millionen Mark verkauft haben. Nach einem halben Jahr Untersuchungshaft waren Harlos und Häfele Anfang Mai gegen eine Kaution von je 750 000 Mark freigelassen worden.

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