Wirtschaft : Neuer Markt: Noch kein Ende des Kursdebakels

Nach den starken Kurseinbrüchen vom Vortag hat der Frankfurter Neue Markt am Dienstag seine Talfahrt etwas moderater fortgesetzt. Händler sagten, die Anleger warteten gespannt auf die Quartalsergebnisse von Top-Werten wie Yahoo, die am Abend in den USA veröffentlicht würden. Sollte Yahoo die Märkte enttäuschen, sei ein weiterer Ausverkauf am Neuen Markt zu erwarten. Bereits am Montag waren Amazon an der US-Technologiebörse Nasdaq eingebrochen. Nachdem der Vorstandschef des Internet-Händlers, Jeff Bezos, in einem Interview erklärte hatte, an der Strategie "Umsatzwachstum vor Gewinn" festhalten zu wollen, gaben die Aktien um 4,75 Prozent auf 30,06 Dollar nach.

Der alle Werte des Neuen Marktes umfassende Nemax-All-Share-Index fiel bis zum Nachmittag in der Spitze um rund 1,3 Prozent auf ein Tagestief von knapp 4260 Punkten. Der Nemax-50 für die größten Werte rutschte um beinahe 2,5 Prozent auf 4435 Zähler. Mit der israelischen Scitex Vision Ltd sagte ein weiteres Unternehmen seinen für Oktober geplanten Börsengang ab. "Das einzige, was uns retten kann, ist ein guter Start der Ertragssaison", sagte ein Händler zur künftigen Entwicklung. Generell sei die Stimmung am Neuen Markt von großer Unsicherheit geprägt. Für eine Herbstrally habe bislang eine Initialzündung gefehlt. Dagegen säßen viele Marktteilnehmer auf Aktien, die sie aus Angst vor größeren Verlusten verkaufen wollten. Mut zu Neuengagements sei kaum auszumachen. Einige Händler sehen gleichwohl bereits Anzeichen einer Stabilisierung und damit den Boden des "Bärenmarkts" mit seinen auf längere Sicht sinkenden Kursen erreicht. Andere erwarten,dass die Bärenstimmung an den Märkten noch anhält und der Bullenmarkt mit seinen längerfristig steigenden Kurse noch auf sich warten lässt. "Wer jetzt kauft, muss sehr mutig sein", sagte ein Händler.

Dagegen konnten sich die Standardwerte im Dax am Dienstag zunächst behaupten. Der Dax kletterte bis zum Nachmittag um knapp 0,5 Prozent auf rund 6710 Punkte. Angeführt wurde die Aufwärtsbewegung von den Papieren von Daimler-Chrysler. Schlusslicht waren hingegen die Aktien der Deutschen Bank. Der Kurs gab um mehr als drei Prozent nach, nachdem Gerüchte die Runde machten, die Deutsche Bank müsse in ihrem Junk-Bonds-Geschäft erhebliche Verluste hinnehmen.

Die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) stellte unterdessen den Anlegern ein gutes Zeugnis aus. Sie führt die Kursverluste am Neuen Markt maßgeblich auf Verkäufe großer Fondsgesellschaften und nicht auf Panikverkäufe von Privatanlegern zurück. "Die Kleinanleger haben sich bislang sehr vernünftig verhalten", sagte SdK-Vorstandsmitglied Markus Straub am Dienstag in Frankfurt. Die Talfahrt der Wachstumswerte sei vor dem Hintergrund von Gewinnwarnungen und der hohen Bewertung vieler Unternehmen eine "normale Korrektur". Kleinanlegern empfiehlt der Experte, sehr selektiv bei ihren Anlageentscheidungen vorzugehen und genau zu prüfen, ob ein Unternehmen seine Versprechen auch einhält. Auch ihr Depot sollten die Kleinanleger nochmals überprüfen. "Mann muss sich immer wieder die Frage stellen, würde ich auf dem Niveau das Unternehmen nochmals kaufen?", so Straub. Falls Nein, dann sollten die Papiere verkauft werden.

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