Wirtschaft : Neuer Ordoband: Zweifelhafte Motive der Fusionen

Rainer Hank

Wird aus der Marktwirtschaft eine Machtwirtschaft? Wer an die Großfusionen von Unternehmen (Aventis, Daimler-Chrysler, AOL-Time-Warner) in den vergangenen Jahren denkt, könnte auf diese Idee kommen. Während freilich Globalisierungskritiker schon lange den Größenwahn-Verdacht der Wirtschaft hegen, wächst jetzt auch bei Liberalen die Skepsis gegenüber der um sich greifenden Fusionitis in der Unternehmenslandschaft. Hans-Otto Lenel begründet in einem Eröffnungsbeitrag des neuen Ordobandes, warum er den Argumenten der Fusionsapologeten nicht traut. Die herkömmlicherweise von den Vorständen und Aufsichtsräten der Unternehmen vorgetragenen Begründungen (Größenvorteile und Synergieeffekte) für die Notwendigkeit von Fusionen seien widersprüchlich und letztlich nicht wirklich überzeugend. Den positiven Bergründungen fügt Lenel eine Reihe zweifelhafter Motivationen hinzu: Macht, Unsicherheit, Mode und der Größenwahn der Spitzenmanager in der Wirtschaft. Lenels Sorge: Fusionen werden in erster Linie mit der Motivation unternommen, den wachsenden Wettbewerbsdruck durch die Vergrößerung des Marktes zu mindern. Wenn das stimmt, dann müsste aus ordnungspolitischen Gründen die Wettbewerbskontrolle verschärft werden. Lenel schlägt vor, den Kartellbehörden das Recht zum Eingriff nicht nur im Falle von Marktbeherrschung, sondern bereits bei "großer wirtschaftlicher Macht" zu erlauben. Der Ordoband entält auch eine Reihe weiterer nachdenkenswerter Beiträge: Razeen Sallys Aufsatz über Hayek und den Welthandel, Alfred Schüllers kritische Auseinandersetzng mit der europäischen Mode des "Dritten Weges" oder Norbert Bertholds Attacke auf das Bündnis für Arbeit.

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