Wirtschaft : Neuer Preiskrieg im PC-Geschäft

Dell kündigt Preissenkungen von bis zu 22 Prozent an / Hohe Nachlässe gibt es aber nur für Großcomputer – und nur in den USA

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Berlin (chh). Das saß. Dell, der weltgrößte Computerhersteller, will die Preise für seine PCs um bis zu 22 Prozent senken. Ein Aufschrei des Entzückens bei den Kunden, das Weihnachstgeschenk scheint gesichert – und die Konkurrenz stöhnt.

Es gibt nur zwei Haken. Der erste: Die am Mittwoch bekannt gegebene Preissenkung gilt vorerst nur für den USMarkt. Das sehen zumindest die europäischen Niederlassungen von Dell so. Am Donnerstag wusste man in Deutschland noch nichts von der Ankündigung der Konzernzentrale in den USA. Es sieht also nach einem gezielten, kurzfristigen PR-Angriff aus – genau einen Tag, nachdem Hauptkonkurrent Hewlett-Packard (HP) enttäuschende Quartalszahlen vorgelegt und diese mit dem starken Preisdruck von Dell begründet hatte. „Das ist ein klarer Ellbogenhieb in Richtung HP“, sagt Meike Escherich vom Marktforschungsunternehmen Gartner.

Hewlett-Packard ist wenig begeistert über die Aktion. Das Unternehmen, mit 16,1 Prozent Marktanteil weltweit die Nummer zwei hinter Dell mit 17,6 Prozent, musste am Dienstag wieder einen Verlust im PC-Geschäft vermelden. Schuld daran seien die starken Preisnachlässe, die HP gewähren musste, um den Anschluss zu Dell nicht zu verlieren. Dem Marktführer setzt dieser Krieg offensichtlich weniger zu als HP. Dell baut seine Computer erst zusammen, wenn die Kunden bestellt haben und spart so Lagerkosten. Gepaart mit einer ausgeklügelten Logistik macht dieses System Dell auch bei der Preisgestaltung extrem flexibel. Dell verkauft seine PCs direkt an den Kunden, während Hewlett-Packard fast ausschließlich über den Großhandel ausliefert, bei dem die Preise sechs Wochen im Voraus feststehen müssen.

Selbst ein Sprecher der deutschen Dell-Dependance sprach von einem „unglücklichen Zeitpunkt“ für die Ankündigung. Er räumte zwar ein, dass Preissenkungen bei Dell normal wären, „aber das ist ein bisschen viel an Prozenten, um nur Business as usual zu sein“. Da wusste er noch nicht vom zweiten Haken: Die angekündigten 22 Prozent gelten lediglich für Server. Laptops und normale PCs werden bei Dell gerade einmal um drei bis sechs Prozent günstiger. „Und ob das die Marktlandschaft langfristig verändert, darf zumindest bezweifelt werden“, sagt Meike Escherich. Doch sie ist sich sicher, dass auch ohne Dell die Preise für Computer weiter fallen werden. „Noch in diesem Jahr wird der Durchschnittspreis für ein Laptop beispielsweise auf unter 1000 Euro sinken.“ Einen großen Anteil daran werden auch die Billigketten Aldi, Lidl & Co. haben. Momentan ist Sommerpause, doch spätestens zum Weihnachtsgeschäft werden wieder PCs in den Regalen stehen. Wie in jedem Jahr – nur dieses Mal noch günstiger.

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