Neuer Senat : Klaus Wowereit bezirzt die Unternehmer

Als Chef einer großen Koalition hat Klaus Wowereit von der Wirtschaft keine außerparlamentarische Opposition mehr zu erwarten. Am meisten macht ihm Spaß, dass er nicht mehr schuld ist, wenn es nicht läuft.

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Beurkundet. Die parteilose Sybille von Obernitz ist im neuen Senat von Klaus Wowereit (SPD) für das Ressort Wirtschaft, Technologie und Forschung zuständig. Foto: dpa
Beurkundet. Die parteilose Sybille von Obernitz ist im neuen Senat von Klaus Wowereit (SPD) für das Ressort Wirtschaft,...Foto: dpa

Von der Dünnhäutigkeit, die er manchmal gerade im Kreis von Unternehmern zeigte, ist nichts geblieben. Jede Pointe ist willkommen. Als Klaus Wowereit eine Liste mit Berufsabschlüssen vorgelesen wird, für die er angeblich infrage komme, lächelt er von „Controller“ bis „Flugzeugabfertiger“ und verliert auch bei „Bestattungsfachwirt“ nicht die Geduld. „Ach, wir haben manches Projekt beerdigt“, sinniert er dann fröhlich unter dem Gelächter der 400 Zuhörer, die am Dienstagmorgen den Weg zur Industrie- und Handelskammer gefunden haben.

Klar ist: Beerdigt wurden vor allem die Träume der anderen. Denn als Chef einer großen Koalition regiert es sich noch leichter, und von der Wirtschaft hat er keine außerparlamentarische Opposition mehr zu erwarten. Die Fragerunde eröffnen zwei Taxifahrer, es geht um Busspuren und Schönefeld. Als ein anderer sich ein Herz fasst und die Trennung der Senatszuständigkeit für Wissenschaft und Forschung kritisiert, kontert Wowereit kühl mit Realpolitik. „Die CDU hat gesagt, sie ist unterrepräsentiert und braucht etwas mehr Fleisch dran“, erzählt er genüsslich. Seine Idee sei das nicht gewesen. „Ich nehme Forschung auch zurück!“ setzt er noch nach.

Und auch zur neuen Wirtschaftssenatorin Sibylle von Obernitz fällt ihm eine Bemerkung ein, die man auch als Spitze sehen kann. „Ich werde sie nachher kennenlernen, wenn ich ihr die Urkunde in die Hand drücke.“ Klaus Wowereit kennt sie nicht, so wichtig kann sie nicht sein?

Am meisten macht ihm Spaß, dass er nicht mehr schuld ist, wenn es in der Wirtschaft nicht läuft. Denn auf die Ankündigung, die IHK werde den Senat „konstruktiv, kritisch und partnerschaftlich“ begleiten, lacht Wowereit maliziös: „Das lasse ich nicht zu, dass Sie die CDU kritisieren für die Wirtschaftspolitik des Senats.“ Die Traumkonstellation der Wirtschaft regiere künftig – „damit müssen Sie leben.“ Gute Nachrichten will der Regierende aber schon für sich reklamieren: „Wenn Sie erfolgreich sind, bin ich automatisch mit erfolgreich. Daher wünsche ich Ihnen besonders viel Erfolg“, sagte er an die Unternehmer gerichtet. Die Mischung aus Charme, Ironie und Unverfrorenheit kommt bestens an, alle applaudieren strahlend. Moritz Döbler

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