Wirtschaft : Neuer Siemens-Chef baut um

Führungsstruktur soll bis Oktober stehen

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Berlin – Der Siemens-Konzern will seine Führungsstruktur radikal umbauen. Der designierte Vorstandschef Peter Löscher will sich dabei offenbar weitgehend an die Vorstellungen von Aufsichtsratschef Gerhard Cromme halten.

Aus dessen Umfeld war schon vor einem Monat – und damit vor der Berufung Löschers – verlautet, er wolle den Zentralvorstand von zehn auf drei Mitglieder verkleinern. Neben dem Vorsitzenden solle es nur noch Verantwortliche für Finanzen und Personal geben. Die „Wirtschaftswoche“ berichtet, dass es auch einen Technikvorstand geben solle. Löscher, der am 1. Juli antritt, muss die Umbaupläne demnach schnell ausarbeiten: „Spätestens zum 1. Oktober muss die neue Siemens-Struktur mit einem verkleinerten Vorstand und klaren Verantwortlichkeiten stehen“, heißt es aus Aufsichtsratskreisen. Ein Konzernsprecher wollte die Meldungen nicht kommentieren.

Cromme rechnet nach eigenen Angaben auch mit weiteren Enthüllungen im Schmiergeldskandal. „Ich kann nicht ausschließen, dass wir in den nächsten Monaten noch einige böse Überraschungen erleben werden“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ). Er könne noch nicht absehen, bis wann die Affäre restlos aufgeklärt ist. Siemens teilte am Freitag mit, dass die US-Börsenaufsicht wegen der Korruptionsskandale vermutlich eine hohe Geldbuße verhängen werde.

Der traditionsreiche Konzern, der in Berlin gegründet wurde und bis heute der größte industrielle Arbeitgeber der Hauptstadt ist, wird seit Monaten von mehreren Korruptionsaffären erschüttert. Die Münchner Staatsanwaltschaft prüft Geldströme im Umfang von 200 Millionen Euro. Siemens selbst betrachtet offiziell bisher 420 Millionen Euro als kritisch – es war aber schon von bis zu drei Milliarden Euro die Rede.

Am Umbau des Konzerns besteht indes kein Zweifel. Der Tagesspiegel hatte unter Berufung auf Aufsichtsräte berichtet, dass die neue Führung den Verkauf weiterer Konzernteile erwägt und die Konzernstrategie deutlich stärker als bisher auf einen höheren Aktienpreis ausrichten wolle. Die Nachricht trug dazu bei, dass der Siemens-Kurs am Donnerstag mit einem Plus von 3,33 Prozent zu den wenigen Dax-Gewinnern zählte. Auch am Freitag legte die Aktie um 1,3 Prozent auf 97,91 Euro zu.

Nach dem Verkauf der Handysparte an BenQ und der Auslagerung der Netzwerksparte in ein gemeinsames Unternehmen mit Nokia steht nun die Trennung von der Tochter VDO an. Nach Informationen aus Branchenkreisen hat der Autozulieferer Continental dem Münchner Konzern gut zehn Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Für Cromme ist das offenbar nicht genug. Damit Siemens auf den bisher favorisierten Börsengang der Sparte verzichte, „müsste Conti noch deutlich nachbessern“, sagte er der „FAZ“. Tsp

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