Wirtschaft : Neuer Stern am Software-Himmel

DANIEL WETZEL

BERLIN .Zuletzt war es die ostdeutsche Software-Schmiede Intershop, die wegen ihres Börsengangs Furore machte.Doch die Jenaer Intershop ist alles andere als ein Einzelfall: Auch im Osten Berlins gibt es hochinnovative und erfolgreiche Existenzgründungen im Hightech-Bereich.Der durchschlagende Erfolg des Mobilfunk-Riesen Mannesmann etwa basiert zu einem nicht geringen Teil auf der Innovationskraft eines kleinen Ost-Berliner Software-Hauses in Lichtenberg.Denn wenn das D 2-Netz eine halbe Million Kunden mehr hat als die Konkurrenz, so liegt das auch an dem schnellen Kundenservice der Mannesmänner: Und den haben die Firma Stern Elektronik und ihr 36jähriger Gründer Frank Tonert möglich gemacht.

Der Berliner Elektrotechniker entdeckte 1993 eine gravierende Servicelücke im Angebot der Mobilfunk-Konzerne.Kunden, die im Laden ein Handy samt D 2-Karte kauften, mußten immer ein paar Tage warten, bis die Karte auch tatsächlich freigegeben wurde.So lange dauerte es nämlich, bis Händler und Netzbetreiber die Adresse und die Bonität des neuen Handy-Kunden überprüft hatten.Nach zwei Tagen aber konnten es sich die meisten Interessenten schon wieder anders überlegt haben und abspringen.

Tonert wußte Abhilfe: Eine spezielle Software sollte es den Händlern ermöglichen, die Kundendaten in Minutenschnelle dem Netzbetreiber zu übermitteln, die Adresse zu bestätigen und eine Auskunft über die finanzielle Zuverlässigkeit des neuen Kunden bei der Schufa einzuholen.Das Angebot überzeugte Mannesmann: Der Konzern kaufte Tonerts Software-Lösung und verteilte sie unter den D 2-Händlern.Heute können die Kunden im Laden auf die Freischaltung ihrer Handykarte warten: Der ganze Prozeß dauert nur noch drei bis sechs Minuten.In Spitzenzeiten werden so bis zu 10 000 Handys pro Tag durch die Software von Stern Elektronik freigeschaltet.Nicht zuletzt dank der schnellen Bearbeitung der Kundenanträge gelang es Mannesmann, bei der Zahl der Handy-Teilnehmer einen deutlichen Vorsprung zu erzielen.

Tonert ruhte sich auf diesen frühen Lorbeeren nicht aus.Der Mannesmann-Deal ermöglichte es dem studierten Nachrichtentechniker, das Unternehmen ohne jede Kreditaufnahme schnell auszubauen.Auf der Cebit 1994 war die kleine Software-Schmiede einer der ersten überzeugenden Anbieter von computergestützten Warenwirtschaftssystemen.Die übersichtliche Software auf Windows-Basis ermöglicht es vor allem kleinen und mittleren Unternehmen die gesamte Unternehmensführung über ein einziges Computersystem zu handhaben.Schon bald darauf verfügte Stern Elektronik über ein bundesweites Händlernetz und belieferte 2500 Kunden, darunter namhafte Unternehmen wie Motorola, Konica und Krone.

Dank der ständigen Weiterentwicklung ging es auch mit dem Umsatz ständig bergauf.Im vergangenen Jahr erzielte Stern Elektronik mit einem Umsatzplus von 20 Prozent auf rund zwei Mill.DM sein bisher bestes Ergebnis.Das hohe Entwicklungstempo schlägt sich auch in der Personalplanung nieder: Sechs der elf Mitarbeiter sind Software-Entwickler.Die übrigen arbeiten in Marketing und Vertrieb.In diesem Jahr will der Stern Elektronik-Gründer den Umsatz mit Hilfe neuer Produkte erneut um 20 Prozent in die Höhe treiben und mindestens vier neue Mitarbeiter einstellen.Das jüngste Software-Paket des Unternehmens erlaubt es Unternehmen, alle hereinkommenden Kunden-Daten - Anrufe, Faxe, E-mails - zentral zu speichern und statistisch auszuwerten: Mit der Zeit, so beschreibt Tonert den Vorteil der Software, entsteht aus der Vielzahl der Daten so etwas wie ein "gläserner Kunde".Für Firmen, die ihren Wettbewerbsvorteil in hoher Kundennähe und gutem Service sehen, ein unschätzbarer Vorteil.Das System zur Kundenanalyse, ist Tonert überzeugt, "ist der Vorläufer einer neuen Generation von Business-Software".

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