Wirtschaft : Neuer Streit um Telekom-Gebühren entbrannt

Privatanbieter sollen Telekom 28,80 DM pro Anschluß zahlen / Protest von Netcologne

BONN (AFP).Als Ausgleich für die Nutzung ihres Telefonnetzes erhält die Deutsche Telekom AG von ihren privaten Konkurrenten vorläufig monatlich 28,80 D-Mark plus Mehrwertsteuer pro Kunde."Im Interesse des Wettbewerbs" habe die Bonner Regulierungsbehörde einer endgültigen Entscheidung vorgegriffen und diesen Betrag zunächst zugelassen, bestätigte ein Sprecher der Behörde am Wochenende."In einigen Wochen" werde dann die endgültige Höhe der Zahlung festgelegt.Der Beschluß stieß beim bislang einzigen betroffenen Anbieter, dem Kölner Unternehmen Netcologne, auf hefige Kritik: Geschäftsführer Werner Hanf bezeichnete den festgesetzten Preis als weit überhöht.Der Kölner Anbieter hält einen "Preis von maximal 15 Mark" für gerechtfertigt.Der Netcologne-Chef kritisierte zudem, daß seine Firma vor der Regulierer-Entscheidung nicht gehört worden sei. Die Netcologne GmbH ist eine im Regierungsbezirk Köln tätige Telefongesellschaft.Das Tochterunternehmen des Energieversorgers GEW, der Stadtsparkasse und der Kreissparkasse Köln stützt sich auch auf ein eigenes Netz, das sich jedoch noch im Aufbau befindet.Konkret geht es für Netcologne bei dem Streit um die Nutzungsgebühren um die Leitung vom Kundenanschluß zur nächsten Ortsvermittlungsstelle.Ab dort hat Netcologne die Möglichkeit, die Telefongespräche in sein eigenes Netz zu leiten.Netcologne-Geschäftsführer Hanf nannte es im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP "unverständlich", daß die Regulierungsbehöre bereits jetzt eine vorläufige Regelung getroffen habe.Für die Anfang Januar eingeleitete Untersuchung zu den Nutzungskosten hätten dem Regulierer mindestens zehn Wochen Zeit zur Verfügung gestanden.Hanf kündigte an, bei der Behörde Protest einzulegen.Eine Möglichkeit, auch rechtlich gegen den Beschluß vorzugehen, sehe er aber nicht.Netcologne hatte seinen Angaben zufolge am 12.Januar beantragt, vor dem Beschluß angehört zu werden.Dabei wollte das Unternehmen Unterlagen vorlegen, aus denen hervorgehe, daß ein Höchstpreis von 15 DM angemessen ist. Die Telekom verlangt derzeit für die Bereitstellung des Telefonanschlusses von den Kunden eine Grundgebühr von 24,80 DM.Netcologne liegt mit einem Betrag von 24 DM knapp darunter.Für den Privatanbieter geht es bei dem Reguliererbeschluß derzeit um die Kosten für ungefähr 4000 Anschlüsse.Netcolognes erklärtes Ziel ist es, in zwei Jahren der Telekom etwa zehn Prozent der Haushalte in der Domstadt abgeworben zu haben.

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