Wirtschaft : Neuer Stromkonzern baut kräftig Personal ab

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Bei den Stromversorgern Bewag, Veag, Laubag und HEW soll es in den kommenden Jahren zu einem spürbaren Personalabbau kommen. Der designierte Vorstandschef der Holding, Klaus Rauscher, sagte dieser Zeitung zwar, dass "die Größenordnung des Personalabbaus noch nicht fest steht". Der Bewag-Betriebsrat lehnt es jedoch schon jetzt ab, den geltenden Bewag-Tarifvertrag zu verändern. Wie viele Berliner Kraftwerke in Zukunft geschlossen werden, soll vom Umfang der Förderung durch das neue KWK-Gesetz abhängig gemacht werden.

Rauscher bestätigte, dass "eine weitere Verringerung der Beschäftigtenzahl notwenig ist, um Kosten und Effizienz des neuen Unternehmensverbundes an internationale Standards anzupassen". Am Mittwoch war Rauscher zu ersten Verhandlungen mit dem Vorstand der Bewag zusammengetroffen. Auch die Bewag müsse damit rechnen, dass es zu einer Reduzierung der Stellen über das geplante Maß hinaus kommen wird. Die Bewag beschäftigt derzeit 5200 Mitarbeiter und plant, diese Zahl bis Ende kommenden Jahres um weitere 500 Stellen zu reduzieren. Für Rauscher steht fest, dass "es zu Synergieeffekten kommen wird". Er sagte jedoch zu, dass "wir diesen Prozess sozial verträglich gestalten werden".

Im Spätsommer hatten nach Auskunft des Bewag-Betriebsrates Projektgruppen zur Bildung des Konzerns "Neue Kraft" errechnet, dass im Kerngeschäft mittelfristig rund 15 100 Mitarbeiter beschäftigt werden sollen. Der zur Erreichung dieser Größe notwendige Abbau von rund 10 000 Mitarbeitern in Berlin, Hamburg und den neuen Bundesländern sollte - so die ursprünglichen Pläne - auch über die Ausgliederung von Unternehmensteilen erreicht werden. Nachdem die Bewag im Herbst aus dem Fusionsprozess ausgeschert war, vereinbarten die verbleibenden Unternehmen Veag, Laubag und HEW Anfang November einen Masterplan ohne konkrete Zielvorgaben für den Personalbereich.

Streit wird es bei den bevorstehenden Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern nicht nur um das künftige Lohn- und Gehaltsniveau im Konzern geben. Die Differenz der Einkommen in Hamburg und den ostdeutschen Regionen beträgt zum Teil mehr als 20 Prozent. Vor allem wird die unterschiedliche Art und Weise des Personalabbaus an den Standorten zu Auseinandersetzungen führen. "Wir werden unseren Konsolidierungs-Tarifvertrag ohne Abstriche verteidigen", sagte Herbert Strobel, Betriebsratschef der Bewag, dieser Zeitung. Insbesondere bei den Abfindungssummen wolle man keine Verschlechterung zulassen. Auch Uwe Scharf, Vorstandsmitglied der Gewerkschaft Verdi und Aufsichtsratsmitglied der Bewag, geht davon aus, dass "die Bedingungen zum Ausscheiden von Mitarbeitern nicht verschlechtert werden".

Auch Mitarbeiter von Veag und Laubag bestehen auf ihren gegenwärtigen Verträgen. Vor allem die Mitarbeiter der Veag haben in den vergangenen Jahren zahlreiche Entlassungen durch eine Betriebsvereinbarung verhindern können. Diese sieht Teilzeitlösungen vor, um die Personalkosten zu verringern. Veag-Betriebsratschef Wilfried Schreck sagte am Mittwoch, dass man in den Verhandlungen darauf bestehen werde, diese Vereinbarungen beizubehalten.

Befürchtungen der Bewag-Mitarbeiter, aus der verzögerten Teilnahme am Bildungsprozess der "Neuen Kraft" Nachteile zu ziehen, trat der neue Holding-Chef Klaus Rauscher am Mittwoch entgegen. "Die Bewag ist ein ertragsstarkes Unternehmen und wird eine starke Position im neuen Unternehmensverbund erhalten", sagte er. Dazu gehöre auch, dass das Berliner Stromunternehmen "in angemessener Weise" im Vorstand der Holding vertreten sein werde. Ob der Vorstand der Holding zu diesem Zweck erweitert wird, ließ Rauscher offen.

Offen ist ebenso die Zukunft der Kraftwerke in Berlin. "Der Betrieb der Kraft-Wärme-Anlagen muss effizient sein", sagte Rauscher. Ob die Anlagen diese Bedingung erfüllen, hänge jedoch in großem Maße vom Ausgang der Verhandlungen der Bundesregierung über das so genannte KWK-Gesetz ab. Seit Monaten streiten die Bundespolitiker über Umfang und Zeitraum der Förderung der KWK-Anlagen durch Preis-Umlagen der Endverbraucher. Das Gesetz sollte ursprünglich ein so genanntes KWK-Vorschaltgesetz, das bis zum Jahresende gilt, ab Januar 2002 ablösen. Wann es zu diesem Gesetz kommen wird ist allerdings noch unklar. Zum Jahresergebnis 2000/2001 der Bewag trugen die Erstattungen für den Betrieb der KWK-Anlagen wesentlich bei.

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