Wirtschaft : Neuer Verdacht gegen den "Börsenguru" Prior

HAMBURG (AP). Das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel untersucht, ob der wegen Insiderhandels angeklagte Börsenjournalist Egbert Prior gegen Bestimmungen des Wertpapierhandelsgesetzes verstoßen hat. Ein Sprecher des Aufsichtsamtes sagte am Mittwoch in Frankfurt (Main) auf Anfrage, Grundlage der Untersuchungen seien "Unterlagen, die dem Bundesaufsichtsamt zugespielt wurden". Die Untersuchung stehe im Zusammenhang mit Wertpapiergeschäften im Frühjahr und Sommer 1998. Der "Stern" berichtet in seiner am Donnerstag veröffentlichten Ausgabe, Prior habe beim Börsengang des Unternehmens Lobster Technology im vergangenen Jahr mehr als eine Mill. DM verdient. Möglich geworden sei dieser Gewinn, weil der Maklerkonzern Berliner Freiverkehr AG, der Lobster an die Börse brachte, Prior 20 000 von insgesamt 500 000 Aktien zugeteilt habe. Prior habe sämtliche 20 000 Papiere nach wenigen Tagen mit einem Gewinn von rund einer Mill. DM verkauft. Das Bundesaufsichtsamt prüfe nun, ob ein mögliches Zusammenspiel von Prior und Holger Timm, dem Vorstandsvorsitzenden der Berliner Freiverkehr AG, strafrechtlich zu verfolgen sei. August Schäfer, Chef der Handelsaufsicht an der Frankfurter Börse, äußerte dem Bericht nach im "Stern" den Verdacht, daß es ein "organisiertes Zusammenwirken zwischen Emissionshäusern und Gurus" gebe. Eine Hand wasche die andere. Prior habe die Aktie des Berliner Freiverkehrs in seinem Börsenbrief mehrfach äußerst positiv beurteilt. Wer diese Aktie nicht besitze, sei "selber schuld", habe Prior unter anderem geschrieben. Außerdem habe er die Leser seiner "Prior Börse" aufgefordert, "unbedingt" bei der Berliner Effektenbank, einer Tochter des Berliner Freiverkehr, ein Depot zu eröffnen.

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