Wirtschaft : Neuer VMDA-Präsident

Manfred Wittenstein wird erster Maschinenbauer

Berlin - Manfred Wittenstein wird der nächste Präsident des deutschen Maschinenbaus. Wie der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) am Donnerstag mitteilte, unterstützt der Vorstand des Verbands die Kandidatur des 64-jährigen Wittenstein. Gewählt wird der neue Präsident im Oktober auf der Mitgliederversammlung des VDMA. Der Verband repräsentiert mit rund 3000 Unternehmen und 885 000 Beschäftigten den größten deutschen Industriebereich. Im Moment geht es der Branche so gut wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Beinahe monatlich meldet der VDMA Rekorde beim Auftragseingang. Rund zwei Drittel der Produkte des deutschen Maschinenbaus gehen in den Export.

Wittenstein löst den Schwaben Dieter Brucklacher ab, dessen Amtszeit nach drei Jahren turnusgemäß endet. Wittenstein wurde 1942 in Berlin geboren. Er studierte hier an der Technischen Universität und musste 1979 seine Promotion abbrechen, weil „die Familie ruft“, wie er einmal dem Handelsblatt sagte. Er übernahm die Fabrik seines Vaters in Igersheim in der Nähe von Würzburg. Die damalige Firma Dewitta produzierte Nähmaschinen für die Herstellung von Damenhandschuhen. Wittenstein baute das Unternehmen um und produziert heute mit mehr als 1000 Mitarbeitern Getriebe, die Roboter, Werkzeugmaschinen und Aufzüge antreiben. Außer in Deutschland lässt die Wittenstein AG in England, USA und Japan produzieren. Die Antriebssysteme werden in mehr als 40 Ländern verkauft.

Wittensteins Firma ist nicht Mitglied im Arbeitgeberverband, und auch die IG Metall ist in seinem Unternehmen nicht sonderlich stark vertreten. Den kollektiven Interessenausgleich, den Gewerkschaft und Verband aushandeln, schätzt er als „Schaukampf“ und „altbackenes Verfahren“ gering. Damit steht er durchaus in einer Tradition: Wittensteins Vorgänger Brucklacher und vor allem auch dessen Vorgänger Diether Klingelnberg hatten ein überaus gespanntes Verhältnis zur IG Metall. Viele Maschinenbauer stört die Regelungsdichte in der Industrie, insbesondere die tarifliche 35-Stunden-Woche.

Wittenstein ist in zweite Ehe verheiratet und hat vier Kinder. Der neue Maschinenbaupräsident umgibt sich gern mit Kunst und spielt Querflöte. Ferner, so hat das Handelsblatt herausgefunden, liest er gerne Thomas Mann und Hermann Hesse. alf

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