Wirtschaft : Neuer Werftenverbund

DANIEL WETZEL

BERLIN .Die Krise des Kvaerner-Konzerns ist nicht unbedingt symptomatisch für die Situation deutscher Werften.Nach Ansicht des Verbandes für Schiffbau und Meerestechnik in Hamburg, hat die hiesige Schiffbauindustrie "auf dem Weltmarkt gute Chancen".Dies zeige etwa die Tatsache, daß die deutschen Werften 1997 rund 65 Prozent ihrer Aufträge aus dem Ausland erhielten.Vor allem mit technisch hochwertigen Schiffen habe man sich gegen die koreanischen Billiganbieter behauptet.Spezialisten wie die Marine-Werft Abeking und Rasmussen in Lemwerder gehörten "zu den führenden Anbietern der Welt." Auch bei hochwertigen Kreuzfahrtschiffen, wie sie die Meyer-Werft in Papenburg herstellt, genießt deutsches Know-how hohes Ansehen.Dennoch ziehen bedrohliche Wolken auf: Die OECD rechnet ab dem Jahr 2002 mit einem Absatz-Einbruch auf dem Weltmarkt.

Sorge bereitet auch die anhaltende Schwäche der südkoreanischen Währung.Seit Beginn der asiatischen Wirtschaftskrise gab der Won gegenüber dem Dollar um mehr als 30 Prozent nach.Die Abwertung hilft den koreanischen Großwerften wie Hyundai, ihre Schiffe zu absoluten Tiefstpreisen auf dem Weltmarkt anzubieten.Allein im vergangenen Jahr gingen 70 Prozent der weltweiten Neubau-Aufträge an Korea.

Die deutschen Schiffbauer reagieren auf die fernöstliche Konkurrenz mit Fusionsplänen.Zwei Jahre nach dem Zusammenbruch des Bremern Vulkan soll ein neuer Werftenverbund entstehen.Die Howaldtswerke-Deutsche Werft (HDW) in Kiel will noch in diesem Jahr mit den zu Thyssen gehörenden Konzernen Blohm + Voss (Hamburg) und Thyssen Nordsee-Werke (Emden) fusionieren.Zusammen mit der zur Preussag gehörenden HDW hätten die Thyssen-Töchter 5700 Mitarbeiter.Da alle Beteiligten Spezialisten für den Bau von Marine-Schiffen beschäftigen, ist Arbeitsplatzabbau wahrscheinlich.HDW-Vorstandschef Eckhard Rohkamm schätzte die Synergie-Effekte bereits auf einen "nennenswerten zweistelligen Millionenbetrag".Der Umsatz des neuen norddeutschen Werftenverbundes dürfte zwischen 2,5 und drei Mrd.DM liegen.

Die kleineren Anbieter erhöhen ihre Produktivität bereits seit Jahren.Allein 1997 ging die Zahl der Beschäftigten in den norddeutschen Standorten um 11 Prozent zurück - bei annähernd konstantem Auftragsvolumen.Damit gibt es in Deutschland noch etwa 20 000 Werft-Arbeiter und 7000 Angestellte der Schiffbau-Industrie.Schleswig-Holstein ist mit einem Umsatzanteil von 25 Prozent größter Werftenstandort in Deutschland, gefolgt von Niedersachsen (20 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (19 Prozent).Bei den Zulieferungen kommen erhebliche Anteile aus Baden-Württemberg und Bayern.

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