Wirtschaft : Neues Bietergefecht auf dem US-Telefonmarkt

SAN FRANCISCO (zep). In den Vereinigten Staaten steht das nächste Bietergefecht auf dem Telekommunikationsmarkt an, nachdem Branchenneuling Qwest Communications International verkündete, die Telefongesellschaften US West und Frontier Corporation für zusammen 55 Mrd. Dollar zu übernehmen. Damit übertraf der viertgrößte Fernverbindungsanbieter Nordamerikas ein Gebot von Global Crossing, dessen Vorstand 42 Mrd. Dollar für US West und Frontier bezahlen will und bereits so gut wie handelseinig mit den neuen Partnern war.

Beide möglichen Firmenzusammenschlüsse zeigen den gegenwärtigen Wettlauf um die beste Ausgangsposition für den Telekommunikationsmarkt der Zukunft. Neue Anbieter kaufen alte Telefongesellschaften auf, vor allem um an deren Kundenbasis zu kommen. Die Hoffnungen ruhen dabei auf dem Geschäft mit integrierten Telefon- und Internetverbindungen für den elektronischen Handel sowie für Informations- und Unterhaltungsangebote. Qwest setzt auf ein landesweites Glasfaserkabelnetz und öffnet seinen bislang vier Millionen Kunden neben Telefonverbindungen auch den schnellen Draht zum World Wide Web. Global Crossing operiert von den Bermudas aus und besitzt bisher im wesentlichen nur ein transatlantisches Glasfaserkabel. Beide Unternehmen wurden von den Börsianern als Internet-Papiere mit großen Zukunftschancen hoch bewertet. Mit ihrem Aktienkapital gehen die Jungstars nun auf Einkaufstour.

"Der Zusammenschluß mit US West und Frontier ist für uns der nächste logische Schritt", kommentierte Qwest-Chef Joseph Nacchio den geplanten Handel mit Hinweis auf neue Breitband-Kommunikationsangebote für deutlich mehr Haushalte und Unternehmen. Sollte sein Gebot erfolgreich sein, würde sich der Konzernumsatz des neuen "Internet-Powerhouse" mit dann 31 Millionen Kunden im kommenden Jahr von 2,24 auf 22 Mrd. Dollar verzehnfachen. Bei einem Erfolg des Qwest-Gebots soll die neue Firma ihren Sitz in Denver haben und insgesamt 71 000 Mitarbeiter beschäftigen. Der Börsenwert des angestrebten Großkonzerns wurde mit 87 Mrd. Dollar angegeben. Die Übernahmeangebote seien US-West-Chef Solomon Trujillo und Frontier-Chef Joseph Clayton in getrennten Schreiben unterbreitet worden. Laut Qwest sind sie unabhängig voneinander und können auch je einzeln verwirklicht werden. Der Ferngsprächsanbieter Frontier sicherte eine Prüfung des Angebots zu und teilte mit, er werde die beste Entscheidung "im eigenen Interesse (des Unternehmens) und demjenigen seiner Aktionäre" treffen.

US West gehört zu den 1984 aus der AT & T-Aufspaltung hervorgegangenen Baby Bells und bedient ebenfalls von Denver aus Kunden in 14 amerikanischen Bundesstaaten mit lokalen Telefonanschlüssen. Die Frontier Corp. aus Rochester im Bundesstaat New York ist der fünftgrößte Anbieter von Fernverbindungen und betreibt nebenbei kleinere lokale und drahtlose Netze.

Der Aktienkurs von Global Crossing war in den letzten Wochen um 16 Prozent gefallen, da an der Wall Street zunehmend Zweifel am Erfolg des Firmenzusammenschlusses mit US West und Frontier aufgekommen waren. Entsprechend schlechter fiel das im wesentlichen aus einem Aktientausch bestehende Angebot von Global Crossing aus. Qwest will den Aktionären von US West nun 78 Dollar pro Anteilschein zahlen, der am Freitag bei 55 Dollar schloß. Für das Frontier-Papier, das zum Wochenende mit 55,5 Dollar gehandelt wurde, bietet Qwest 73 Dollar. Falls beide Zusammenschlüsse zustande kommen, sollen die Aktionäre noch jeweils zwei Dollar zusätzlich erhalten.

Nacchio verglich sein Angebot mit der Übernahme von MCI durch Worldcom. Der kleine, aber aufstrebende Branchenneuling Worldcom hatte vor anderthalb Jahren den zweitgrößten amerikanischen Fernsprechanbieter nach einem Bietergefecht gegen die British Telecom und den amerikanischen Telefonkonzern GTE für 36,5 Mrd. Dollar gekauft, um neue Kunden mit einem integrierten Telefon- und Internet-Angebot zu versorgen. Im vergangenen Monat übertrumpfte der größte US-Fernsprechanbieter AT & T ein Gebot der Kabelgesellschaft Comcast für deren Wettbewerber MediaOne. AT & T will Telefonverbindungen und schnelle Internet-Anschlüsse über das Kabelnetz anbieten, weil dem einstigen Monopolisten der Einstieg ins lokale Telefongeschäft verwehrt ist.

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