Wirtschaft : Neues Domizil für das Baugewerbe

Richtfest in Berlin-Mitte / Sitz des Zentralverbandes im Herbst 1998 bezugsfertig

BERLIN (chi).Der Umzug der Wirtschaftsverbände nach Berlin wird langsam konkreter.Am Dienstag feierte der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) Richtfest für die neue Verbandszentrale in Berlin - und dabei fehlte, neben den zahlreich erschienenen Vertretern der Baubranche, auch die politische Prominenz nicht: Der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen und der Umzugsbeauftragte der Bundesregierung, Bundesbauminister Klaus Töpfer, spendeten beim Hochziehen der Richtkrone Beifall.Mitte nächsten Jahres soll das achtgeschossige Gebäude in der Kronenstraße in Mitte, in unmittelbarer Nachbarschaft zum künftigen Hauptsitz des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, fertiggestellt sein, zum 1.Oktober wird der Verband mit 60 Mitarbeitern von Bonn nach Berlin umziehen - "und damit sind wir schon ein Jahr vor der Bundesregierung in der Hauptstadt präsent - vorausgesetzt deren Umzug findet tatsächlich 1999 statt", sagte ZDB-Präsident Fritz Eichbauer. Dabei hat es beim Bau der neuen Zentrale schon einige Verzögerungen gegeben.Nach dem endgültigen Umzugsbeschluß 1994 dauerte es fast zwei Jahre bis die Kaufverhandlungen für das Grundstück, das dem Bund gehörte, und das Investitionsvorrangverfahren abgeschlossen waren und mit dem Bau begonnen werden konnte.Vieles hätte sich der Verband erspart, wäre das Grundstück in Charlottenburg, dem früheren Sitz des "Reichsinnungsverbandes des Baugewerkes", nicht 1973 - "dem damaligen Zeitgeist folgend", wie Eichbauer sagte - verkauft worden. Der Neubau selbst wird die Kassen des Verbandes nur bedingt belasten: Er wird über einen Immobilienfonds finanziert.Der ZDB wird dabei nur einen Teil des Gebäudes nutzen.Für rund ein Drittel der 5500 Quadratmeter Bürofläche werden noch Nutzer gesucht, im Erdgeschoß stehen 500 Quadratmeter für Einzelhandel und Kneipen bereit, und in den beiden obersten Etagen werden 17 Wohnungen errichtet.Mit der Vermietung, sagte Eichbauer, werde erst im kommenden Jahr begonnen, "zumal die Marktlage derzeit nicht allzu rosig ist". Der Verbandschef nutzte die Gelegenheit, Bewegung bei Steuer- und Rentenreform sowie der Senkung der Lohnnebenkosten einzufordern."Die Erkenntnis hat sich inzwischen durchgesetzt, doch ihr folgt kein Handeln - eher im Gegenteil", kritisierte Eichbauer.Die diskutierte Anhebung der Rentenversicherungsbeiträge ziehe neue Belastungen nach sich, mit der vorerst gescheiterten Steuerreform habe die Politik die Chance vertan, Deutschland zu einem interessanten Investitionsstandort zu machen."Würde ein Unternehmer seinen Betrieb so führen, er wäre längst bankrott", so der ZDB-Präsident. Zugleich warf er der Politik vor, die dramatische Situation am Bau zu verschleiern.Auch die jüngsten Konjunkturdaten zeigten, "daß die Talfahrt vielleicht langsamer geworden ist, aber noch nicht beendet ist", sagte Eichbauer.Die Bauproduktion sei im zweiten Quartal weiter deutlich rückläufig gewesen, bei den Aufträgen zeichne sich nur im Westen eine Stabilisierung ab.Allein in den letzten drei Monaten hätte die Baubranche im Osten erneut 551 Insolvenzen gemeldet.Der Verband rechne zwar weiter mit einer Trendwende 1998, sagte Eichbauer, "allerdings nur in Westdeutschland".

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar