Neues Entwicklungszentrum : Wo Amazons Computer sehen lernen

Der Konzern baut seine Entwicklung in Berlin aus und eröffnet zweites Forschungszentrum.

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Alles frisch? Amazon prüft mit Kameras und Software, wie reif das Obst ist. Das „Erdbeer-Projekt“ entstand in Berlin.
Alles frisch? Amazon prüft mit Kameras und Software, wie reif das Obst ist. Das „Erdbeer-Projekt“ entstand in Berlin.Foto: K. Kleist-Heinrich

Einen Ort mit mehr Historie hätte Amazon nicht finden können. Am Petriplatz auf der Fischerinsel liegt nicht nur die Wiege Berlins, hier stand auch das Warenhaus Hertzog. Das 1839 eröffnete Geschäft war einst das größte der Stadt, der Sohn des Kaufhauseigentümers war der erste Berliner Autobesitzer und Vater Rudolph Hertzog führte selbst eine andere unerhörte Neuerung ein: Einen Versandhandel mit Festpreisen.

Im nächsten Jahr wird mit Amazon der führende Versandhändler des 21. Jahrhunderts das lange Zeit leer stehende und restaurierte Gebäude beziehen. Der US-Konzern eröffnet dort ein zweites Entwicklungszentrum. Im bisherigen Forschungszentrum in der Krausenstraße ist es zu eng geworden, fast 500 Mitarbeiter tummeln sich dort inzwischen. Insgesamt beschäftigt der Konzern 2000 Mitarbeiter in der Region – das Versandzentrum in Brieselang inklusive. „Berlin ist weltweit einer unserer wichtigsten Entwicklungsstandorte“, sagt Ralf Herbrich, der das hiesige Zentrum leitet.

Ein Schwerpunkt liegt dabei auf dem maschinellen Lernen. Die Bedeutung der hiesigen Forschungsaktivitäten erkennt man auch daran, dass Herbrich neben dem Berliner Standort das weltweite Machine-Learning-Team leitet. Die Entwickler versuchen dabei, Computern hören, sehen und verstehen beizubringen. Ein Fokus der Berliner liegt darin, den Computern Sprache verständlicher zu machen. Zum einen für die Sprachassistentin Alexa, die Deutsch als erste Fremdsprache nach Englisch gelernt hat. Aber die Computer lernen hier noch andere Übersetzungen, denn in Europa bieten Amazon und die Partnerhändler ihre Produkte in 26 Sprachen an. Wenn man die Sprachbarrieren überwindet, könnte man die Auswahl in vielen Ländern erhöhen, glaubt Herbrich. Wenn es etwas in Deutschland nicht gibt, würden es Kunden eventuell auch aus Frankreich oder Tschechien ordern – doch dafür müssen sie die Angebote auch in der eigenen Sprache angezeigt bekommen. „Wir können aber nicht alle Produktbeschreibungen die täglich dazukommen manuell übersetzen“, sagt Herbrich. So haben sie Computer trainiert, die nun die Texte automatisch übersetzen.

Eine andere Entwicklung aus Berlin ist das „Erdbeer-Projekt“, wie Herbrich die Reifegrad-Erkennung von Lebensmitteln nennt. Sein Team entwickelt dabei Algorithmen, die Bilder von Spezialkameras auswerten, um die Frische von Obst und Gemüse automatisch zu erkennen. Für zehn Sorten funktioniert das inzwischen. Bislang kommt die Berliner Technologie allerdings nur in den Amazon-Fresh-Lagern in den USA zum Einsatz. Doch es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis sie auch hierzulande Einzug hält.

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