Wirtschaft : Neues Finanz-Office als Ratgeber für Anlagevermittler

CATRIN BIALEK

BERLIN .Viele Musical-Stars singen und tanzen Abend für Abend vor immer spärlicherem Publikum - der Boom der Musicals ist vorbei.Für die rund 25 000 Anleger des geschlossenen Immobilienfonds "Dreiländer-Fonds 94/17" steht dadurch allerdings viel auf dem Spiel: Sollten die Auslastungszahlen der Musicals der Stella AG weiter zurückgehen, drohe den Anlegern des Fonds der Totalverlust, sagte der Bundesverband Finanzdienstleistungen (FiFa) am Donnerstag in Berlin.

"Das ist der größte Anlagenschwindel aller Zeiten", empörte sich Carsten Lucht, Gescäftsführender Vorstand des FiFa.Der Dreiländer-Fonds finanzierte unter anderem die beiden Music-Halls in Stuttgart-Möhringen, in denen die Stella-Musicals "Miss Saigon" und "Die Schöne und das Biest" aufgeführt werden.Als Stella jedoch in wirtschaftliche Schieflage geriet, wurde ein Stabilisierungskonzept erstellt: Der Fonds mußte 20 Prozent der Stella-Aktien übernehmen, trug somit das wirtschaftliche Risiko.Dadurch halten die Fonds-Anleger ein Fünftel der Gesellschaft, die ihnen die Hauptmiete einspielt.Sie sind Mieter und Vermieter zugleich.

Damit der Markt für Geldanlagen transparenter wird und Kapitalgeber künftig besser geschützt werden, will der Bundesverband eine Genossenschaft gründen, die Finanz-Office eG.Die Genossenschaft soll für die 900 Mitgliedsfirmen des Verbandes Empfehlungen über Finanzprodukte und Produktgeber liefern, kündigte Lucht an.Neben Serviceleistungen soll auch eine Negativliste von Finanzprodukten erstellt werden.Die Ratschläge sind angebracht, denn der jährliche Schaden für Kapitalanleger wird auf 60 Mrd.DM geschätzt.Die eine Hälfte sei auf Betrügereien, die andere auf nicht ausreichende Informationen der Geldanleger zurückzuführen.

Im Zuge der Immobilienkrise würden sich immer mehr Anbieter aus der Verantwortung stehlen, kritisierte der Bundesverband.Zur Rechenschaft gezogen würden dann die Vermittler, die ihre Kunden über alle Aspekte der Immobilie informieren müssen - dies aber nicht immer tun.Oftmals seien die Anlagevermittler auch einfach nicht in der Lage, die spitzfindigen Passagen im Anlageprospekt herauszufinden.Der Grund: Für den Beruf des Vermittlers gäbe es keine gesetzlichen Mindestanforderungen."Die Kunden sollten sich nur an einen Vermittler wenden, der einem anerkannten Berufsverband angehört", riet Lucht.

Gegen problematische Formulierungen im Anlagenprospekt ist zuweilen aber auch der bestausgebildete Vermittler nicht gefeilt.Die Mietgarantien etwa seien solche Augenwischereien, meinte Axel Prümm, Chefredakteur von Kapital-Markt Intern.Die im Prospekt gepriesene garantierte Miete bei Mietausfall werde häufig überhaupt nicht eingehalten.Als Beispiel nannte Prümm das Potsdam-Center, wo die Mietgarantie nicht gegriffen habe, der Initiator Roland Ernst ausgeschieden und die vorgerechnete Rendite für die Anleger nicht mehr erreichbar sei.In solchen Fällen trage der Anleger bei Mietausfall die Folgen meist selber.Der Anleger profitierten meist nur noch von dem Steuervorteil.

Aber genau auf diesen Steuervorteil sollten sich die Anleger in der nächsten Zeit nicht verlassen."Ich rate den Verbrauchern, ihr Geld in selbstgenutzte Eigentumswohungen zu investieren", sagte Lucht.

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