Neues Gutachten : Es fehlen 50.000 Wohnungen

Der Mangel an preiswerten Wohnungen in Großstädten trifft inzwischen auch die mittleren Einkommensgruppen, heißt es in einem Gutachten. Ein breites Bündnis schlägt Alarm.

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Nicht gerade ein Schloss - aber Wohnraum ist in Ballungsräumen knapp und teuer.
Nicht gerade ein Schloss - aber Wohnraum ist in Ballungsräumen knapp und teuer.Foto: dpa

Berlin - Wohnungsknappheit, steigende Mieten und eine Verdrängung ärmerer Haushalte: Es ist ein düsteres Szenario, das eine neue Studie für deutsche Großstädte entwirft. Der Mangel an preiswerten Wohnungen „betrifft mittlerweile auch die mittleren Einkommensgruppen“, sagte Arnt von Bodelschwingh von der Berliner Beratungsgesellschaft Regiokontext, die das Thesenpapier verfasst hat, am Donnerstag in Berlin. Die Situation werde sich verschärfen, wenn nicht Bund, Länder und Kommunen den Bau von Mietwohnungen förderten. In Auftrag gegeben wurde das Gutachten von einem breiten Bündnis aus Verbänden der Baustoffindustrie, dem Mieterbund der IG BAU, zwei Vermieterverbänden und dem Zentralverband des Baugewerbe. Nach ihren Angaben müssten in Deutschland jährlich 250 000 Wohnungen gebaut werden, um den Bedarf in den Ballungsräumen zu decken. Tatsächlich wurden zuletzt rund 200 000 Wohnungen errichtet, viele davon als Eigentumswohnungen oder teure Mietwohnungen.

Als mittleres Segment definieren die Studienverfasser Mieten zwischen sechs und 8,50 Euro (in teuren Städten wie München bis elf Euro) pro Quadratmeter. Um diesen Bereich für Investoren rentabel zu machen, fordern die Lobbyverbände Geld von der öffentlichen Hand. Konkret schlagen sie vor, die Kompensationsmittel von 518 Millionen Euro, die der Bund jährlich den Ländern für die soziale Wohnraumförderung überweist, um mindestens 100 Millionen Euro aufzustocken. Diese zusätzlichen Mittel sollen die Länder nicht für Sozialwohnungen mit Belegungsbindung, sondern für bezahlbare Mietwohnungen für mittlere Einkommensschichten ausgeben.

Zweite Kernforderung ist die Verdoppelung der linearen Abschreibung von jährlich zwei auf vier Prozent. Investoren, die Mietwohnungen errichten, könnten dann also einen höheren Anteil ihrer Kosten steuerlich geltend machen und damit trotz moderater Mieten eine ordentliche Rendite erzielen. Einen ähnlichen Vorschlag hat bereits Bundesbauminister Peter Ramsauer unterbreitet. Ferner fordert das Bündnis von den Kommunen ein höheres Tempo bei der Erteilung von Baugenehmigungen. Christian Hunziker

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