Wirtschaft : Neues Jahr – neuer Mann

Karl Kauermann übergibt die Führung der Berliner Volksbank an Holger Hatje

D. Rhee-Piening

Berlin - Der Jahreswechsel sollte es sein. Nach sieben Jahren an der Spitze der Berliner Volksbank übergibt Kauermann den Vorstandsvorsitz an Holger Hatje – rund ein halbes Jahr früher als ursprünglich geplant. Der 46-jährige Hatje war zuletzt Vorstandsvorsitzender der Oldenburgischen Landesbank und dort zuständig für die Ressorts Organisation/IT und Geschäftsverarbeitung. Berlin ist für ihn kein Neuland. Bis 2003 war er als Sprecher der Geschäftsleitung bei der Dresdner Bank in Berlin tätig.

Wer nun denkt, der Einfluss Kauermanns bei der Volksbank gehe damit zu Ende, der irrt. Kauermann wird sich weiter um sein Lieblingsprojekt, die erhoffte Übernahme der Berliner Bank, kümmern und fungiert deshalb weiter als Berater. Seit Jahren verfolgt er schon dieses Ziel.

Kauermann hat die Volksbank wieder aufgerichtet. Angetreten als Sanierer der Grundkreditbank, die mit der damals als solide eingestuften Volksbank fusioniert werden sollte, wurde Kauermann böse überrascht. In Wahrheit lag die Volksbank darnieder. Das Geschäftsjahr 1999 der neuen Berliner Volksbank (nach der Fusion mit der Grundkreditbank) startete mit einem Verlust von 233 Millionen Euro aus der ordentlichen Geschäftstätigkeit. Ohne den Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) wäre das Überleben wohl nicht möglich gewesen. Kauermann erwies sich als zäher und geschickter Verhandler, der beim BVR rund 1,6 Milliarden Euro lockermachte, von denen die Berliner nur rund 250 Millionen Euro zurückzahlen müssen. Klar, dass dies anderen Genossenschaftsbankern gegen den Strich ging. Erst im Jahr 2003 kam die Volksbank wieder aus den roten Zahlen. Im vergangenen Jahr blieb unterm Strich ein Überschuss von 11,9 Millionen Euro. Die Dividende wird nicht mehr vom Verband, sondern wieder aus eigener Tasche bezahlt

Selbstzweifel haben Kauermann nie geplagt. „Ich wusste immer, dass die Sanierung gelingt“, vertraute er dem bankeigenen Kundenmagazin an. Da steht der neue Chef noch etwas im Schatten. Holger Hatje will sich vor seinem offiziellen Antritt am 1. Januar nicht zu seinen konkreten Zielen äußern. Aber er betont den genossenschaftlichen Charakter der Bank und die enge Verbundenheit zu den Unternehmen vor Ort.

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