Wirtschaft : Neues Kursfeuerwerk an den Weltbörsen

Deutsche Aktienkurse weiter auf Rekordjagd / Weltbank: Risiken in Asien nach Strukturreformen unter Kontrolle BERLIN (rtr/afp).In Rekordlaune präsentierten sich am Montag die Börsen Asiens und Europas.Aus mehreren Gründen - die britische Pharmafusion von Glaxo Wellcome und SmithKline Beecham beflügelte die Fusionsphantasie der Anleger, die befürchtete militärische Konfrontation zwischen USA und Irak blieb zunächst aus, und in Asien setzte sich der Eindruck durch, nach den jüngsten Strukturreformen sei die Finanzkrise unter Kontrolle. In Europa waren die überraschend am Wochenende angekündigten Fusionspläne von Glaxo Wellcome und SmithKline Beecham das Gesprächsthema Nummer eins unter den Händlern.Die Aktien der beiden betroffenen Konzerne haussierten und trugen so den Financial Times-Index (FTSE) um beinahe drei Prozent bis auf das Rekordhoch von 5616 Punkten in die Höhe.Der Börsenwert von Glaxo stieg bis dahin um rund 25 Prozent, der von SmithKline um rund 16 Prozent.Sollte die Fusion zustande kommen, entstünde gemessen am Börsenwert die zweitgrößte Unternehmenskgruppe der Welt nach dem US-Konzern General Electric. In Frankfurt stieg der Deutsche Aktienindex (Dax) erstmals über 4500 Punkte, womit das alte Rekordhoch vom Sommer von 4477 Punkten deutlich übersprungen wurde.Der Dax kletterte um 1,86 Prozent auf 4522,81 Punkte und damit so hoch wie nie zuvor.Nachbörslich zog der Dax noch weiter an.Auch in Deutschland war die Hausse im Pharmasektor ausschlaggebend für die neuen Höchststände.Mit Hoechst und Bayer legten zwei der gewichtigsten Dax-Titel fast neun Prozent und 7,5 Prozent zu.Die beiden deutschen Chemieriesen seien jetzt unter Zugzwang, sich ebenfalls starke Partner für den Pharmabereich zu suchen, hieß es auf dem Parkett. An den Börsen in Hongkong und Jakarta stiegen die Aktienkurse am Montag um etwa 14 Prozent.Der Hongkonger Hang-Seng-Index überschritt zum ersten Mal seit fast einem Monat mit 10 578,60 Punkten die psychologisch wichtige 10 000-Punkt-Marke.Auch in Bangkok, Singapur und Manila wurden zweistellige Zuwächse registriert.Börsenhändler führten die optimistische Stimmung auf die Umschuldungsvereinbarung zwischen Gläubigerbanken und Südkorea sowie die Aufhebung der Beschränkungen des Devisenhandels in Thailand zurück, die bereits am Freitag zu Kurssteigerungen an der New Yorker Wall Street geführt hatten.Wegen der Feiertage zum chinesischen Neujahrsfest hatten die meisten Börsen in Asien fünf Tage lang geschlossen. In Singapur sagte Weltbank-Präsident James Wolfensohn: "Ich bin kein Prophet.Aber ich denke, daß die jetzt unternommenen Schritte das Risiko weiterer Einbrüche vermindern." Die Weltbank hat allerdings gleichzeitig ihre Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft wegen der Krise in Asien um einen halben Punkt nach unten korrigiert.Wie Weltbank-Vertreter Pieter Bottelier am Montag auf einer Konferenz in Paris sagte, wird jetzt nur noch mit einem Plus von 2,6 statt 3,1 Prozent gerechnet.An den Wachstumserwartungen für Deutschland änderte die Weltbank nichts. Nach Schätzung von Standard and Poor&s könnten sich die durchschnittlichen Gewinne der 20 Banken, die sich am stärksten in Asien engagiert haben, vor Steuern um drei Viertel reduzieren, berichteten die "Financial Times" und das "Wall Street Journal Europe".Allerdings seien die europäischen Banken stark genug, um die Verluste aufzufangen.Dies gelte auch für die deutschen Banken, die stärker betroffen seien als etwa französische.Allein die Deutsche Bank hat in der Region 4,9 Milliarden Dollar an Krediten vergeben.Um mögliche Verluste aufzufangen, will sie im Jahresabschluß 1997 eine Risikovorsorge von 1,4 Milliarden Mark zurückstellen.Nach Angaben der Agentur haben die europäischen Banken den vier am stärksten von der Krise betroffenen Ländern Südkorea, Thailand, Indonesien und Malaysia bis zu 234 Milliarden Mark an Krediten gegeben. Händler begründeten die Hausse in Asien auch damit, daß Chinas Vize-Premierminister Li Lanquing beim Weltwirtschaftsforum in Davos einer Abwertung der Landeswährung Yuan eine deutliche Absage erteilte.Zudem stellte Li Infrastruktur-Investitionen in Höhe von 750 Milliarden Dollar über drei Jahre in Aussicht.Händler sagten, das Vertrauen ausländischer Investoren in die asiatischen Märkte kehre allmählich zurück.Positiv reagierten die Märkte auch darauf, daß US-Präsident Bill Clinton die angebliche Sex-Affäre offenbar unbeschadet überstanden hat.Auch das bisherige Ausbleiben einer militärischen Konfrontation der USA mit Irak sorge für Zuversicht.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben