Wirtschaft : Neues Unternehmen will drittgrößter Milchverarbeiter Deutschlands werden

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Der Übernahmekampf um die Berlin-Brandenburger Molkerei emzett ist entschieden. Zum 1. Januar 2000 wird die emzett-Gruppe mit der Molkerei Tuffi Campina fusionieren. Dies gaben beide Unternehmen am Rande der Ernährungsmesse "anuga" in Köln bekannt. Neben Campina hatte sich auch die Müller-Gruppe aus Aretsried um emzett bemüht.

Das neue Unternehmen will nach Angaben von emzett-Sprecherin Elfi Amend mit einer Jahresproduktion von 1,7 Milliarden Kilogramm Milch und einem Umsatz von 2,6 Milliarden Mark drittgrößter Milchverarbeiter Deutschlands werden. Sitz des Unternehmens, dessen Name noch nicht feststeht, wird Köln - Berlin sein.

"Wir möchten durch strategische Allianzen auf die zunehmende Konzentration im Lebensmittelmarkt reagieren", sagte Bernhard Bijvoet, der Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung der Muttergesellschaft, Campina Melkunie. Das in Zaltbommel ansässige niederländische Unternehmen hat bereits zwei Standbeine auf dem deutschen Markt: Seit 1993 ist Campina Mehrheitseignerin der Campina AG in Heilbronn ("Landliebe"). Mit den Milchwerken Köln - Wuppertal betreibt die Firma seit 1997 ein gleichberechtigtes Joint-Venture, die Tuffi Campina Milchwerke GmbH & Co. ("Tuffi"). Zuvor hatten die Niederländer (Gesamtumsatz: 6,8 Milliarden Mark) bereits die Südmilch AG in Heilbronn / Stuttgart übernommen, die heutige Campina AG. "Wir hoffen, durch Kooperationen mit anderen Molkereien Synergien freizusetzen", kündigte Bijvoet an. Nach der Zusammenführung von Tuffi Campina und emzett in eine GmbH wird die Gesellschaft aus zwei Gruppen bestehen. Die Mutter Campina Melkunie übernimmt 50 Prozent der Anteile, je 25 Prozent werden von den Milchwerken Köln / Wuppertal eG und der emzett-Gruppe gehalten.

"Zusammen sind wir in der Lage, Ein- und Verkauf, Logistik sowie das Marketing aufeinander abzustimmen", sagt Hubert Böhmann, der Vorsitzende der emzett-Geschäftsführung. Böhme kündigte an, das neue Unternehmen werde europäische Marken mit einem einheitlichen Werbeauftritt entwickeln. Parallel sollen die Hausmarken, darunter das erfolgreiche emzett-Label "Mark Brandenburg", gestärkt werden.

Die genossenschaftlich organisierte emzett-Gruppe, die 1100 Menschen beschäftigt, verarbeitet an den vier Produktionsstandorten Berlin, Elsterwerda, Prenzlau und im niedersächsischen Seesen 860 Millionen Kilogramm Milch und setzte 1998 1,58 Milliarden Mark um.

Die Fusion folgt einem Trend: Erst im Juli hatten sich vier norddeutsche Molkereien zur Nordmilch eG zusammengeschlossen. Nach Auskunft des deutschen Milchindustrieverbandes in Bonn ist die Zahl der Milchverarbeiter allein im vergangenen Jahr um 13 Prozent auf 165 gesunken.

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