Wirtschaft : Neulingen weht der Wind ins Gesicht - Viele sagen ihren Börsengang ab

mba/hof

Die Begründungen für die Absage von Börsengängen unterscheiden sich kaum: Das Marktumfeld erlaubt es nicht, einen fairen Preis zu erzielen, hieß es in den vergangenen Tagen unisono bei GMX, Highway One, Ibex, Blaxxun, Aeco und zuletzt bei Lets-buy-it.com. Das Klima hat sich - wie bereits im vergangenen Herbst - wieder einmal gedreht. Börsenneulingen, speziell aus dem Internet-Umfeld, weht der Wind besonders ins Gesicht. Das Garantiesiegel aus dem Frühjahr ist zum Makel geworden. Negativnachrichten, wie die Pleite des britischen Online-Modevermarkters Boo.com strahlen auf die Branche aus. Und das, obwohl die meisten Aktienexperten davon überzeugt sind, dass beispielsweise Internet-Software und -Infrastrukturanbieter von einem einsetzenden Börsenaufschwung besonders profitieren könnten.

Keinen Grund zur Panik sieht man bei der Hyperwave AG. Der nach eigenen Angaben führende Anbieter von Unternehmenssoftware für Intranet und Internet-Infrastrukturen setzte seine Road-Show für den geplanten Börsengang fort, der am kommenden Dienstag stattfinden soll. Vorstand Christoph Michel versucht den Kurskapriolen Positives abzugewinnen: "Einige institutionelle Investoren sehen jetzt eine gute Möglichkeit zum Einstieg."

Die negative Börsenstimmung belastet auch die derzeit größte anstehende Emission, nämlich den Börsengang der Comdirect Bank. Wertpapierexperten erwarten einen Emissionspreis in der Mitte oder sogar am unteren Ende der Preisspanne von 25 bis 31 Euro. Das Kapital aus dem Börsengang will die Direktbank nutzen, um über die nationalen Grenzen hinweg zu expandieren. Im vorbörslichen Telefonhandel wurden am Freitag Preise für Comdirect von bis zu 34 Euro genannt. In Deutschland zeichnet sich indes ein Preiskampf unter Direktbanken ab, der die Gewinne belasten wird. Denn auch die Sparkassen und die Postbank wollen neben mehreren bereits etablierten Unternehmen eine Offensive im Online-Banking starten. Nachfrage im vorbörslichen Handel gab es bei Preisen deutlich über der Bieterspanne (30,50 bis 32,50 Euro) auch für GPC Biotech. Die Aktie startet am Dienstag und komplettiert die Liste der Biotechnologie-Firmen. Der Spezialist für die Entwicklung von Medikamenten gegen Krebs, Infektions- und Immunkrankheiten verlangt Anlegern einen langen Atem ab: Schwarze Zahlen werden erst 2006 erwartet.

Luftnummern im großen Stil plant man beim Luftschiffproduzenten Cargolifter AG. Der Emissionsprospekt warnt: "Das Projekt muss als Wagnis angesehen werden, das den Verlust des gesamten Kapitals zur Folge haben kann." Bei einer Bookbuildingspanne von 14 bis 18 Euro werden zurzeit vorbörsliche Kurse von maximal 16 Euro ermittelt.

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