Wirtschaft : Neustart mit Paukenschlag

Die Deutsche-Bank-Führungsspitze krempelt den Vorstand um. Lamberti und Bänziger müssen gehen.

Peter Köhler,Nicole bastian

Frankfurt am Main - Die künftigen Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen verpassen der Deutschen Bank eine neue Geschäftsstruktur und bauen die Führungsgremien um. Risikovorstand Hugo Bänziger und Personalvorstand Hermann-Josef Lamberti müssen zeitgleich mit Noch-Vorstandschef Josef Ackermann Ende Mai abtreten, hieß es in Finanzkreisen. Das habe der Präsidialausschuss des Aufsichtsrats abgenickt.

Bänziger wird ein schwieriges Verhältnis zu Jain und Fitschen nachgesagt. Er hatte selbst lange als möglicher neuer Vorstandschef der Bank gegolten. Neu in den Vorstand rücken drei langjährige Manager der Deutschen Bank: Die Risikosteuerung soll Bill Broeksmit übernehmen, der diese Aufgabe zuvor im Investment-Banking innehatte. Lambertis und Fitschens bisherige Zuständigkeiten fallen an die Investmentbanker Stephan Leithner und Henry Ritchotte. Leithner soll sich zudem um Personal und die Rechtsabteilung kümmern, und er wird neuer Europa-Chef. In Ritchottes Aufgabenfeld als neuer Chief Operations Officer fallen die Technik und die IT. Die Deutsche Bank wollte sich zu den Personalien nicht äußern.

Auch im unter dem Vorstand angesiedelten breiteren Führungsgremium, dem Group Executive Committee (GEC), lassen Jain und Fitschen zahlreiche neue Manager einziehen – viele davon Vertraute Jains, dem bisherigen Chef des Investment-Bankings. Das neue Bild des Managements zeige, dass vor allem verdiente „Hausgewächse“ aufgerückt seien, hieß es im Konzern. „Alle Aufsteiger sind seit zehn bis 20 Jahren in Diensten der Deutschen Bank“, sagte ein Manager. Externe Kandidaten kamen beim Großumbau nicht zum Zug. Vorstand und GEC bleiben damit auch künftig rein männlich besetzt. Ihre Strategie werden Jain und Fitschen Mitte April den Führungskräften erläutern.

Das Institut soll mit den neuen Top-Managern noch internationaler werden. Dies sei eines der erklärten Ziele, die Jain und Fitschen mit der Neubesetzung verfolgten, hieß es gestern im Umkreis des Vorstands. Beim letzten Umbau des GEC seien noch rund die Hälfte der Newcomer aus Deutschland gewesen, jetzt seien es – inklusive weiterer Führungskräfte, die in die Gremien einziehen sollen – nur noch ein Drittel. Ein weiteres Ziel Jains und Fitschens sei es, die einzelnen Geschäftsbereiche stärker miteinander zu verzahnen und vermeintliche Silos zwischen den Sparten abzubauen.

Die Änderungen greifen voraussichtlich alle zum 31. Mai, dem Tag der Hauptversammlung des größten deutschen Kreditinstituts. Mit der Hauptversammlung tritt der bisherige Vorstandschef Josef Ackermann nach einer Dekade an der Spitze der Bank ab. HB

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