Wirtschaft : New Economy: Das Wasser ist den Anlegern schon zu seicht

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Der Ausverkauf im Technologiebereich und die Umschichtung in solide Werte bescherte den Nahrungsmittelherstellern im vergangenen Jahr ein furioses Comeback. Im Februar setzten die meisten Titel in der Branche zum Höhenflug an und sorgten für saftige Gewinne. So realisierte das Papier des weltgrößten Nahrungsmittelkonzerns Nestlé bis Dezember einen Wertzuwachs von über 50 Prozent. Auch auf Aktien von Parmalat oder Numico hatten die Anleger großen Hunger. Bei Letzteren hat sich der Kurs zwischen Januar und November 2000 fast verdoppelt.

Doch wie geht es mit der Performance der Lebensmittelhersteller weiter? Die Deutsche Bank hat bereits im Dezember den gesamten Sektor von "Positiv" auf "Negativ" zurückgestuft. Angesichts einer überdurchschnittlichen Entwicklung der wichtigsten Werte im vergangenen Jahr sowie einer anspruchsvolleren Prognose für 2001 halten die Analysten diesen Schritt für gerechtfertigt. "Wenn die Unruhe bei den zyklischen Werten weiter abebbt und die Anleger genug von den sicheren Häfen haben, werden die defensiven Lebensmittelwerte das schon zu spüren bekommen", meint Thorben Geise, Analyst bei der WGZ-Bank. Die Kursverläufe scheinen diese Ansicht zu untermauern. Seit ihrem Hoch Ende November/Anfang Dezember haben Nestlé, Unilever und andere Nahrungsmittelwerte um ein gutes Stück nachgegeben.

Besonders deutlich hat es den niederländischen Numico-Konzern erwischt. Nach Bekanntgabe der vorläufigen Geschäftszahlen für das Jahr 2000 in der vergangenen Woche rutschte der Kurs um weitere zehn Prozent ab und liegt derzeit bei 44 Euro. Obwohl Numico ein Umsatzwachstum gegenüber dem Vorjahr von 84 Prozent auf 4,2 Milliarden Euro und eine Gewinnsteigerung vor Goodwill von 72 Prozent vorlegen konnte, lagen die Ergebnisse am unteren Rand der Analystenprognosen. Vor allem durch die sich abschwächende Konjunktur in den USA sei Numico besonders leicht zu treffen. Dort sind die Niederländer im Bereich Nahrungsergänzungsmittel und Vitaminpräparate Marktführer. Für Goldman Sachs Grund genug, den Numico-Titel von "Marketperformer" auf "Market Underperformer" herabzustufen. Das neue Kursziel lautet nicht mehr 60, sondern 44 Euro. Auch die WGZ-Bank machte aus dem "Outperformer" einen "Marketperformer", erwartet also, dass sich der Wert nicht vom Branchendurchschnitt abhebt. Trotz der Herabstufung rät WGZ-Analyst Geise langfristigen Anlegern, den Titel weiter im Auge zu behalten. Das Unternehmen sei in seinen Sparten und auch bei Forschung und Entwicklung neuer Produkte sehr gut aufgestellt. "Ich würde die Unsicherheit erst ein bisschen abziehen lassen. Wenn die Aktie dann unter 40 Euro zurückfällt, sind die Papiere meiner Meinung nach wieder kaufenswert."

Auch der Einstieg beim Big Player der Branche, dem schweizerische Nestlé-Konzern, sollte eher langfristig orientiert sein. Erst letzte Woche glänzte das Unternehmen durch die Bekanntgabe der Übernahme des amerikanischen Tierfuttermittelherstellers Ralston Purina, die bei den Analysten trotz des stolzen Kaufpreises von rund zehn Milliarden Dollar auf breite Zustimmung stieß. Durch die Akquisition mischen die Schweizer in der Rangliste der wichtigsten Tierfutterhersteller nun ganz vorne mit. Den Kurs der Aktie konnte die Ankündigung indes nur kurzfristig beflügeln. Seit dem Allzeithoch von rund 3900 Schweizer Franken im Dezember 2000 befindet sich das Papier in einem Abwärtskanal. Trotzdem belassen die Anlagestrategen von Hornblower Fischer ihr Urteil bei "Kaufen". "Im Moment ist der Abwärtstrend noch intakt, von den Fundamentaldaten her sollte er bald beendet sein", meint Maja Brauer. Ein Geheimtipp aus der zweiten Reihe sieht das Bankhaus Vontobel im italienischen Parmalat-Konzern. "Das Interesse bei den Anlegern ist groß", sagt Analystin Beatrice Reich, leider verhalte sich Parmalat in Sachen Investor Relations eher zurückhaltend. Deshalb hätten nur wenige Anlagestrategen den Hersteller von Milchprodukten auf ihren Empfehlungslisten. Nach einer Kurskorrektur hat der Wert bereits jetzt wieder angezogen und liegt derzeit bei rund 1,70 Euro, gehört damit also fast schon zu den so genannten Pennystocks.

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