Wirtschaft : New Economy: Der Neue Markt bricht um sechs Prozent ein

ga

An den Finanzmärkten dauert die Talfahrt der Aktien an. Am Neues Markt fiel der Nemax 50 bis zum späten Nachmittag um rund sechs Prozent auf 1842 Punkte. Relativ stabil notierte dagegen der Dax, der um knapp 1,5 Prozent auf 6116 Zähler abrutschte. Besonders hart trifft es derzeit die Anleger in Japan. Nach dem weiteren Kurseinbruch an der Wall Street am Vortag war an der Börse in Tokio am Donnerstag kein Ende des drastischen Kursverfalls in Sicht. Der Nikkei-Index fiel um weitere 1,6 Prozent bis auf 12 681,66 Punkte. Dies ist der niedrigste Stand seit November 1985, dem Beginn der drastischen, außer Kontrolle geratenen und durch eine verfehlte Notenbankpolitik ermöglichten Kursexplosion. Im Zuge der damaligen Spekulationswelle ("bubble economy") war der Nikkei-Index bis Ende 1989 auf 38 915,87 Punkte gestiegen.

Tagesspiegel Online Spezial:
www.tagesspiegel.de/neweconomy

Auch an den deutschen Börsen erlitten Standardwerte und Aktien am Neuen Markt am Donnerstag herbe Verluste. Branchenübergreifende Verkäufe sowohl bei Technologieaktien als auch bei weniger schwankungsanfälligen Werten drückten den Dax bei schwachen Umsätzen in die Verlustzone. Auslöser waren Händlern zufolge negative Börsenvorgaben aus den USA, Gewinnwarnungen einiger US-Technologieunternehmen sowie die zerschlagene Hoffnung auf eine Zinssenkung der US-Notenbank (Fed) vor dem nächsten regulären Treffen des geldpolitischen Ausschusses am 20. März.

In den USA hatten am Mittwoch nach Börsenschluss erneut mehrere Technologiefirmen Gewinnwarnungen ausgegeben, darunter der PC-Hersteller Gateway und das Datenkommunikations- Unternehmen 3Com. Die US-Aktienmärkte hatten den Handel zuvor mit Verlusten beendet, nachdem Fed-Präsident Alan Greenspan die Hoffnungen der Anleger auf eine baldige Senkung der Leitzinsen in seiner Rede gedämpft hatte, was die Aktienkurse belastet habe, sagten Händler. Zu Beginn des Handels am Donnerstag gaben sowohl Dow Jones als auch Nasdaq weiter nach.

"Die Stimmung am deutschen Markt verschlechtert sich zusehends", sagte ein Händler zur Situarion auf dem deutschen Parkett. "Heute geht auf breiter Front alles runter", hieß es. "Bei den Verkäufen wird auch nicht zwischen Unternehmen der Old Economy und der New Economy unterschieden." Mit Sorge blicken Beobachter aber vor allem nach Japan. Als entscheidend für eine Trendwende am Aktienmarkt gilt je nach politischen Standpunkt eine weitere Lockerung der Geldpolitik, eine fiskalpolitische Konjunkturstimulierung oder - wie von der Notenbank gefordert - umfassende Strukturreformen einschließlich einer zügigen Konsolidierung des Finanzsystems. Diese Forderung nach schnelleren Reformen sei aber angesichts der durch einen Machtkampf wieder einmal gelähmten Regierung völlig zwecklos, erklärt Tomoko Fujii von Salomon Smith Barney in Tokio. Die marginale Zinssenkung der Bank von Japan vom Vortag blieb ohne Wirkung. Einzelne Branchen, wie die Kreditwirtschaft, die Stahlindustrie oder die Universalhandelshäuser, die eine hohe Fremdverschuldung aufweisen, konnten allerdings von der Reduzierung ihrer Finanzierungskosten profitieren und abweichend vom Gesamttrend zulegen.

Der Kursverfall an der New Yorker Börse belastete wieder vorrangig japanische Technologie- und Exportwerte wie Sony, Matsushita Electric, NEC, Fujitsu, Hitachi und Toshiba sowie die Hersteller von Halbleiterproduktionstechnik. Hier wird jetzt mit großer Skepsis in die Zukunft gesehen. Im Mai beginnen die ersten Unternehmen mit der Veröffentlichung der Jahresabschlüsse und Prognosen für das Geschäftsjahr 2001/02 (31.3.). Dann wird mit zusätzlichem Abgabedruck gerechnet.

0 Kommentare

Neuester Kommentar