Wirtschaft : New Economy: Der verblasste Mythos

Catherine Hoffmann

Die Legende von der New Economy verliert von ihrem Glanz. Nach der Revision der US-Statistik bleiben von 4,3 Prozent Produktivitätszuwachs im vergangenen Jahr noch drei Prozent übrig. Das ist zwar besser als erwartet, aber nicht mehr berauschend. Im zweiten Quartal wuchs die Produktivität verglichen mit dem gleichen Zeitraum im Vorjahr sogar nur um 1,6 Prozent.

Kein Wunder, dass die Gewinnrezession der US-Unternehmen für viele so bedrohlich ist: Die Produktivitätsdividende ist schmaler als ursprünglich vermutet. IT-Ausgaben haben die Produktivität nur vorübergehend erhöht. Ob und in welcher Höhe die Wirtschaft dauerhaft auf einem steileren Wachstumspfad bleibt, ist unsicher. Jetzt schlägt das Pendel zurück: Niedrigere Produktivität bedeutet automatisch höhere Lohnstückkosten und kleinere Gewinnmargen. Dies trifft Unternehmer und Aktionäre umso härter, als die gestiegenen Ausgaben nicht durch höhere Preise für Güter und Dienstleistungen kompensiert werden können. Das Resultat ist bedrückend: Die Profite der US-Unternehmen brachen im zweiten Quartal um 16 Prozent ein - so tief wie seit zehn Jahren nicht mehr. Die Antwort der Manager ist bekannt: Sie versuchen verzweifelt, die Produktivität zu erhöhen und Kosten zu sparen, indem sie Investitionen und Arbeitsplätze streichen. Da die Quadratur des Kreises kaum gelingen dürfte, geben die Aktienkurse der Technologieunternehmen weiter nach. Je stärker aber die Legende vom sagenhaften Produktivitätsboom der vergangenen Jahre verblasst, desto klarer rückt ins Bewusstsein, dass die phänomenale Hausse am Aktienmarkt nichts als eine gigantische Blase war. Und desto schneller schwindet die Hoffnung, dass ein baldiger Aufschwung der US-Wirtschaft und der Kurse an Wall Street rasch die Wunden heilt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben