Wirtschaft : New Economy: Die Helden von einst müssen abtreten

Rolf Obertreis

Vor einem Jahr noch waren sie die gefeierten Helden. Kein Wunder: Ihre Fonds wiesen satte zweistellige, oft sogar beeindruckende dreistellige Zuwachsraten auf. Mit der rasanten Talfahrt der Aktienkurse allerdings sind auch die Fonds dramatisch ins Minus gerutscht, Milliarden sind verloren gegangen. Damit ist auch der Stern der Manager von Neue-Markt-Fonds rapide gesunken. Mehr noch: Einige der einstigen Gurus haben ihren Job verloren oder aufgegeben. Kurt Ochner, vor einem halben Jahr noch als Neuer-Markt-Papst verehrt, wurde vom Bankhaus Julius Bär Anfang der Woche sogar fristlos gefeuert. Auch Elisabeth Weisenhorn, einst als Star gefeiert ("Diese Frau macht Sie zum Millionär") hat ihr Beratungsmandat für einen Neue-Markt-Fonds der Deutsche Bank-Tochter DWS abgegeben.

Zum Thema Online Spezial: New Economy Dort allerdings versichert man, dass diese Entscheidung schon lange feststehe. Gleichwohl: Der von Weisenhorn betreute Fonds DWS Neuer Markt Deutschland hat seit der Auflegung Anfang August satte 70 Prozent seines Wertes verloren. Mit Josef Schopf vom Dresdner Bank-Ableger DIT hat ein dritter Fondsmanager für den Neuen Markt in dieser Woche das Handtuch geschmissen. Auch das allerdings, versichert ein DIT-Sprecher, sei schon länger vereinbart. Schopf habe sich schon vor Wochen für eine andere Aufgabe entschieden.

Gleichwohl: Reiner Zufall ist die Parallelität der Ereignisse wohl nicht. Am spektakulärsten ist allerdings die Entlassung des 48-Jährigen Ochner, der einst als "König der Nebenwerte" gefeiert wurde. Ochner hatte mit seiner Strategie, für seine Fonds kleinere, weniger gehandelte Werte auch des Neuen Marktes zu kaufen, lange überragenden Erfolg. Die Entwicklung seiner Fonds war so beeindruckend, dass auch andere Banken Ochners Dienste in Anspruch nahmen.

So kletterte der Julius Bär Special German Stock Fund von März 1997 bis März 2000 um gut 500 Prozent. Oft löste ein Kauf durch Ochner beim jeweiligen Papier eine wahre Kursrallye aus. Aber seit Herbst bekam der Hobbyfallschirmspringer zunehmend Probleme. Als der Markt drehte, erwischte es die von Ochner favorisierten Papiere um so mehr. Folglich rasselten auch seine Fonds um 50, 60 oder mehr Prozent in den Keller, weil es genau die Werte besonders erwischte, die wenig gehandelt wurden. Die Anleger, die im vergangenen Sommer oder Herbst eingestiegen sind, trifft es besonders heftig. Am Montag zog man bei Julius Bär die Reißleine, Ochner musste gehen. Allein auf diese Nachricht hin brachen von Ochner favorisierte Aktien wie Caatoosee auf einen Schlag um über 50 Prozent ein.

Die Stars von gestern sind frustriert

Ob Schopf und Frau Weisenhorn wirklich jetzt gehen, weil dies schon lange geplant ist, mag man glauben oder nicht. Fakt ist, dass sich auch diese beiden renommierten Manager total verschätzt haben und in den vergangenen Monaten mit ihren Prognosen, dass jetzt die Talsohle erreicht sei, vom Markt Lügen gestraft wurden. Weder die Entwicklung bei EM-TV oder bei Intershop hatten sie auch nur im Ansatz vorausgesehen. Vor einem Jahr, sagt einer, habe er die Wahrscheinlichkeit, dass die US-Technologie-Börse Nasdaq den größten Kursrutsch ihres Bestehens vor sich hat, auf fünf Prozent geschätzt. "Auch wir sind vor Enttäuschungen nicht gefeit", sagte Weisenhorn Ende Dezember in einem Interview mit unserer Zeitung.

Andere der einstigen Neue-Markt-Stars sind zwar noch dabei, aber ziemlich frustriert. Dazu gehören Wassili Papas und Andre Köttner von Union Investment. Am Jahresanfang waren sie noch optimistisch. Alle Indikatoren deuteten auf eine Erholung. Doch seitdem haben die beiden jungen Männer, die Fonds mit einem Vermögen von mehreren Milliarden Mark verwalten, des öfteren schlecht geschlafen und fragen sich, was sie möglicherweise falsch gemacht haben. Papas glaubt, dass er sich nichts vorzuwerfen habe. Hochspekulative Internet-Werte oder anderen "Schrott" habe er nicht in seinen Fonds, er setze auf hochprofitable Marktführer. Die aber werden gnadenlos mitgerissen, können sich dem Trend nicht entziehen. Insofern sind auch die einst hochgelobten Profis enttäuscht. Immerhin: Union Invest steht (noch) hinter ihnen. "Personen stehen nicht zur Debatte", sagt Pressesprecher Rolf Drees.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben