Wirtschaft : New Economy: Die New Economy stützt Amerikas Produktivität

Sandra Louven

Nach dem Crash der Technologiewerte und einer Serie von Start-up-Pleiten hat die New Economy ihre Kritiker am Dienstag zum Staunen gebracht: Die neue Wirtschaft hat ihr Potenzial, die gesamtwirtschaftliche Produktivität zu steigern, im zweiten Quartal unter Beweis gestellt. Am Dienstag gab das Arbeitsministerium bekannt, dass die Arbeitsproduktivität gegenüber dem ersten Quartal um 2,5 Prozent gestiegen ist. Die Analysten hatten nur mit einem Zuwachs von 1,6 Prozent gerechnet. Die jüngsten Zahlen ändern nichts an der desaströsen Lage vieler High-Tech-Unternehmen. Sie deuten jedoch darauf hin, dass das starke Wachstum der US-Wirtschaft in den neunziger Jahren nachhaltiger war als zuletzt befürchtet. Bei Produktivitätsberechnungen wird meist auf die so genannte Arbeitsproduktivität verwiesen. Per Definition bemisst sie sich in der Leistung, die jeder Arbeiter pro Stunde erwirtschaftet. Das potenzielle Wachstum der Produktivität, glauben viele Experten, sei in den USA durch die Verwendung moderner Informationstechnologien gestiegen. Seit 1996 ist die Arbeitsproduktivität - je nach Berechnungsgrundlage - um etwa drei Prozent jährlich gewachsen. Davor lag sie zwanzig Jahre lang bei etwa 1,5 Prozent.

Skeptiker hatten den Optimisten entgegengehalten, dass das höhere Produktivitätswachstum sich als Strohfeuer erweisen werde. So hat der Ökonom Robert Gordon von der Northwestern University behauptet, die Produktivitätssteigerung während des langanhaltenden US-Booms habe vor allem zyklische Ursachen und sei keineswegs allein die Folge der Nutzung von Technologie.

Dass die jetzt bekannt gewordenen Zahlen so hoch ausgefallen sind, ist vor allem deshalb so erstaunlich, weil US-Statistiker das Bruttoinlandsprodukt (BIP) für das zweite Quartal erstmals nach neuen Methoden berechnet haben und zu wesentlich bescheideneren Ergebnissen gekommen sind. Da sich die Produktivität durch eine simple Division von Wirtschaftsleistung durch Arbeitsstunden berechnet, war es sehr wahrscheinlich, dass diese Neuberechnung das Produktivitätsniveau deutlich senken würde.

Je höher das Produktivitätswachstum ist, um so stärker kann die Wirtschaftsleistung zulegen, ohne dass Inflationsgefahren entstehen. Wenn nun das Produktivitätswachstum nachhaltig hinter den Erwartungen zurück bleiben würde, müsste die amerikanische Notenbank vorsichtiger agieren. Drastische Zinssenkungen wie in der ersten Hälfte dieses Jahres hätten die Inflation anspringen lassen können. Gegen einen Abschwung, wie er gegenwärtig stattfindet, könnte die Notenbank weniger unternehmen - mit negativen Folgen auch für die europäische Konjunktur.

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