Wirtschaft : New Economy: Händler besinnen sich auf solide Werte

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Intershop, Mobilcom und EM.TV: Die Aktien dieser Unternehmen versprachen einst unendliche Gewinnphantasie und Kurssteigerungen von 100, 200 oder gar 1000 Prozent. Weil diese Zeiten vorbei sind, heißt es jetzt, nach den künftigen Gewinnern zu fahnden. Qualität, Ertrag und Stabilität sind dabei nach Meinung von Fondsmanagern und Analysten die neuen Kriterien für den Erfolg. Das in der Börseneuphorie fast vergessene Vokabular der "Old Economy" erlebt eine Renaissance.

Aixtron steht auf der Liste der Strategen ganz oben. Der Hersteller von Anlagen zur Produktion von Verbindungshalbleitern erfüllt fast alle Wünsche des defensiv kalkulierenden Anlegers: Mit einem Weltmarktanteil von fast 60 Prozent sind die Aachener hervorragend positioniert. Sie haben gegenüber der Konkurrenz einen fast uneinholbaren Wettbewerbsvorsprung, gelten als resistent hinsichtlich eines möglichen Konjunkturabschwungs und enttäuschten bislang nie mit ihren Quartalszahlen. Und das, obwohl die Prognosen stets ambitioniert gewesen sind.

Nach wie vor gibt es keine Anzeichen dafür, dass Aixtron den Pfad des jährlichen Umsatzwachstums von 30, 40 oder sogar 50 Prozent verlässt. Einziger Wermutstropfen: Die Aktie ist nach herkömmlichen Bewertungsmethoden teuer - nach dem heftigen Einbruch am Neuen Markt notiert Aixtron mit einem dreistelligen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) - 116 auf Basis des laufenden Jahres. "Der Premiumaufschlag ist verdient", meint DWS-Fondsmanager Raik Hoffmann.

Erst in den vergangenen Tagen revidierte die HypoVereinsbank ihre Umsatz- und Ergebnisschätzungen für den "Blue Chip" nach oben. Nunmehr veranschlagt Analyst Matthias Schneck für das laufende Jahr 91 Cent und für 2002 gut 1,45 Euro Gewinn pro Aktie. Der Nemax-50-Titel werde sich auch in Zukunft besser als der Gesamtmarkt entwickeln. "Solide Werte wie Aixtron, die mit hohem Gewinnwachstum die Schätzungen meist übertreffen, profitieren in diesem Jahr, in dem der Gesamtmarkt eher schwach läuft, besonders", meint Volker Borghoff von der DG-Bank.

In dem schwierigen Umfeld für Technologiewerte verweisen viele Bankhäuser auch auf den niederländischen Reparaturdiensleister Teleplan. Hornblower Fischer und die BFG-Bank raten zum Kauf, Merrill Lynch zum "Akkumulieren" (Aufstocken). "Die gute Marktposition sowie das stabile und hohe Wachstum sind Grund für unsere Empfehlung", meint Borghoff.

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Fast ohne Makel sehen Investmentstrategen auch Qiagen. Als eines der wenigen Biotechnologie-Unternehmen schreibt der Weltmarktführer für Instrumente zur Trennung und Reinigung von Nukleinsäuren schwarze Zahlen. Nie wurden die Umsatz- und Ertragsprognosen verfehlt. Ebenso wie bei Aixtron heben Analysten auch hier die solide Firmenpolitik hervor. "Wer dauerhaft mit Gewinn, Qualität und Stetigkeit überzeugt, wird sich in Zukunft positiv abheben", ist Adig-Fondsmanager Kerstan von Schlotheim überzeugt. Das Bankhaus Julius Bär empfiehlt den Nemax-50-Titel mit einem Kursziel von 45 Euro zum Kauf (Montag: 32 Euro). Die Analysten meinen, dass der Konzern seine Rolle als Infrastrukturlieferer für Life-Science-Gesellschaften noch verstärken wird. Doch ein Schönheitsfehler haftet an Qiagen: Im Vergleich zu den Wettbewerbern ist die Aktie mit einem KGV von 124 (Basis 2001) hoch bewertet. Merrill Lynch prognostiziert deshalb als eines der wenigen Investmenthäuser nur eine marktkonforme Kursentwicklung.

"Erträge sind das wichtigste, und nur mit ihnen funktioniert das Unternehmen", hebt Achim Matzke von der Commerzbank sein Kriterium hervor. Ein klarer Kauf ist für ihn der Medientitel Das Werk. Mit Centropolis Effects haben die Frankfurter ein führendes Unternehmen im Bereich digitaler Effekte für Filmproduktionen übernommen und sich damit Zugang zum US-Markt verschafft. "Charttechnisch ist der Titel hoch interessant", meint Matzke. Die Aktie ist in den vergangenen Tagen deutlich aus dem seit Februar bestehenden Abwärtstrend nach oben ausgebrochen. Weil sich der Medienwert von der erneuten Schwäche an den Wachstumsbörsen bislang nicht anstecken lässt, sind die Techniker optimistisch.

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