Wirtschaft : New Economy: Neue Technologien als Chance für die ostdeutsche Wirtschaft

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Ist die New Economy die Wunderwaffe, die der ostdeutschen Wirtschaft zu nachhaltigem Wachstum verhelfen kann? Die wirtschaftliche Leistung und Produktivität der neuen Bundesländer bleibt nach zehn Jahren Deutscher Einheit noch immer weit hinter der der westlichen Länder zurück, und von einer flächendeckend sich selbst tragenden Wirtschaft kann mittelfristig nicht gesprochen werden. "Es ist vorstellbar, dass diese Lücke zwischen Ost und West durch die New Economy geschlossen wird", sagte Hans-Werner Sinn, Präsident des Ifo-Institutes, im Rahmen einer Podiumsdiskussion, die "Der Tagesspiegel" gemeinsam mit dem "Handelsblatt" und der "Zeit" am Mittwoch Abend in Berlin ausgetragen hat. Auch Karsten Schneider, einer der Mitgründer der Jenaer Intershop AG, vermutet die Wachstumspotenziale für die ostdeutsche Wirtschaft im Bereich der neuen Technologien. "In der industriellen Produktion sind in Ostdeutschland keine großen Zuwachsraten zu erwarten", sagte Schneider. Sinn wies aber gleichzeitig darauf hin, dass die Bedeutung der New Economy für die gesamte Wertschöpfung derzeit noch sehr viel geringer sei als die Aufmerksamkeit, die diesem Thema geschenkt wird, es vermuten ließe. Erst drei Prozent der Beschäftigten in Deutschland könnten diesem Bereich zugeordnet werden. Die Tendenz sei allerdings steigend. Um entsprechende Fachkräfte für die neuen Branchen zu rekrutieren, muss nach Ansicht der Experten der Forschungsstandort Ostdeutschland noch weiter ausgebaut werden. Viel sei bereits geschehen, aber "es ist quantitativ noch nicht das Volumen, dass wir uns wünschen", sagte Hubert Markl, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft. Die Hochschulen müssten außerdem noch marktbewusster werden als bisher und mehr zukunftsorientierte Studiengänge anbieten, pflichtete ihm Richard Roy von Microsoft Deutschland bei.

Neben einem stärkeren Engagement für die Ausbildung muss der Staat nach Ansicht der Diskussionsteilnehmer auch die Deregulierung des Arbeitsmarktes forcieren, um günstigere Rahmenbedingungen für Wachstum zu schaffen. Das anhaltende Wachstum in den USA oder in Irland könne auch damit begründet werden, dass die Löhne dort immer hinter der Produktivität hergelaufen seien, sagte Hans-Werner Sinn. In Ostdeutschland sei die Entwicklung genau umgekehrt verlaufen.

Das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) prognostizierte unterdessen, dass die ostdeutsche Wirtschaft im kommenden Jahr nach jahrelangen Rückschlägen wieder Anschluss an die Wachstumsraten im Westen finden wird. Auch der Stellenabbau könnte 2001 weitgehend gestoppt sein, teilte das IW am Donnerstag in Berlin mit. Von einer durchgreifenden Aufwärtsbewegung könne aber noch nicht die Rede sein. IW-Direktor Gerhard Fels plädierte dafür, beim Finanztransfer in die neuen Länder in Zukunft stärker auf regionale Differenzen zu setzen.

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