Wirtschaft : New Economy: Neuer Filmstoff für Hollywood

Noch vor etwas mehr als einem Jahr wurde Jason Pontin, der Chefredakteur von Red Herring als "Titan der New Economy" gefeiert. Das Magazin war prall gefüllt mit Anzeigen, die ein Wachstum ohne Grenzen verhiessen. Pontin stockte sein Personal kräftig auf, und lehrte alteingessenen Business-Zeitschriften das Fürchten. Diese herrlichen Zeiten gehören der Vergangenheit ebenso an wie die Rekordhöhen des Nasdaq. Mit dem Einbruch der Internetaktien, dem Dahinsiechen vieler Startup-Unternehmen und damit geringerer Werbeeinnahmen taumelten auch die Magazine wie Red Herring auf den Boden der Tatsachen zurück. "Wie all die anderen haben auch wir auf ein Wirtschaftswachstum gesetzt, das sich langfristig nicht durchhalten liess", meint heute Pontin.

Zum Thema Online Spezial: New Economy In der Tat stecken die Medien der New Economy in einer kräftigen Krise. Red Herring entliess nicht nur 111 Mitarbeiter und strich seine jährliche Konferenz in Hollywood, er arbeitet auch an Plänen seine gerade erst erweiterte Bürofläche wieder zu reduzieren. Gerüchte, dass das Unternehmen zum Verkauf stehe, werden zwar dementiert, aber das will nicht viel heissen. Wie schnell die Aufsteiger absteigen, zeigt auch das Beispiel von Business 2.0, das erst vor 13 Monaten auf den Markt kam und schnell Furore machte. In den ersten vier Monaten dieses Jahres fielen dessen Werbeeinnahmen um 14 Prozent (beim Konkurrent Industry Standard waren es gar 45 Prozent), nun wurde die Zeitschrift von AOL Time Warner aufgekauft - für 68 Millionen Dollar ein Schnäppchen.

Während die Konsolidierung bei den New-Economy-Magazinen voll im Gang ist, hat die Krise der Startup-Unternehmen dagegen bei Publizisten eine kleine Hausse ausgelöst. Auch entdeckt die Unterhaltungsindustrie plötzlich Silicon Valley als Filmstoff. Die Buchindustrie lebte schon während der Boom-Zeiten ganz prächtig von Titeln wie eBoys, einem Buch, das die "wahre Geschichte" von sechs Mannen der Venture Capital-Firma Benchmark erzählt. Benchmark finanzierte erfolgreiche (eBay) und nicht so erfolgreiche (WebVan) Startup-Unternehmen. Mit der Krise verstauben diese Bücher zwar in den Regalen, dafür aber sind Autoren wie Phil Kaplan gefragt, der ein retrospektives Insider-Buch über Silicon Valley schreiben will. Auch in Hollywood will man aus den Firmenflops Kapital schlagen. RITA NEUBAUER

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