Wirtschaft : New Economy: Risikokapitalisten üben sich in Bescheidenheit

Sonja Niemann

Konsolidierung ist das Wort der Stunde auf der Internet World. Nicht nur für die Multimediadienstleister sind die fetten Jahre vorbei, auch die Venture-Capital-Firmen, die in den vergangenen Jahren massiv vom Boom der New Economy profitiert haben, stellen sich auf karge Zeiten ein. Von tiefer Depression ist bei den Wagniskapitalfirmen, die sich mit Ständen, Veranstaltungen und einem "Venture-Cafe" in Halle 1 der Internet-Messe präsentieren, dennoch nichts zu merken. Sie reden nicht von "Krise", sondern von "Realismus."

Zum Thema Online Spezial: New Economy 8,7 Milliarden Mark haben die deutschen Wagniskapitalgeber im Jahr 2000 in Unternehmensbeteiligungen gesteckt. Im ersten Quartal 2001 waren es 1,37 Milliarden. Das ist zwar immer noch mehr als im ganzen Jahr 1996, aber auch ein Anzeichen dafür, dass der Markt zum ersten Mal seit 1993 nicht mehr wachsen wird. Nach Angaben von Holger Frommann, der als Vertreter des Bundesverbands der Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK), auf der Internet World die Zahlen präsentierte, wird 2001 mit Glück das Vorjahresergebnis erreicht. Damit wurde im Vorjahr ein vorläufiger Rekord nach einem steilen Aufschwung erreicht.

Das Problem der VC-Branche ist allerdings nicht fehlendes Geld. Ende 2000 hatten die deutschen Venture-Capital-Häuser immerhin 36,4 Milliarden Mark für weitere Investitionen zur Verfügung. Das Problem liegt vielmehr darin, dass sie ihre Beteiligungen nicht mehr so lukrativ losschlagen können wie noch vor kurzer Zeit. Insbesondere der Weg an die Börse ist seit dem Zusammenbruch des Neuen Marktes verstopft. Das IPO (Börsengang) sei nun mal der optimale Ausstiegs-Weg für Investoren, erklärt Frommann - und schließlich waren damit zu Zeiten der Goldgräberstimmung an der Börse traumhafte Renditen zu erzielen.

Der wichtigste Weg war er allerdings noch nie: Laut BVK werden die meisten Beteiligungen durch Trade Sales, also den Verkauf an ein anderes Unternehmen, losgeschlagen. Im Jahr 2000 entfielen auf diesen Exit-Kanal rund 39 Prozent, auf IPOs nur rund neun Prozent. Neu war aber, dass der Gang an die Börse zu Internetboomzeiten sehr schnell erfolgen konnte, oft sogar nach wenigen Monaten. Jetzt, in den Zeiten des neuen Realismus, werden sich die Beteiligungsfirmen wieder daran gewöhnen müssen, ihre Beteiligungen vier bis fünf Jahre zu halten und finanziell aufzupäppeln. Die großen Gesellschaften mit gutem finanziellem Polster werden es sich leisten können; viele andere, kleinere werden mit Liquiditätsproblemen zu kämpfen haben, erklärt der BVK.

Nanotechnologie weckt neue Fantasie

Der Konsolidierungsprozess und die Bereinigung des Marktes ist unaufhaltsam, darin sind sich Analysten und Wagniskapitalisten einig. Die auf der Internet World vertretenen, großen VC-Gesellschaften sind dagegen sicher, dass es sie nicht allzu hart trifft. Oliver Borrmann, Vorstandsvorsitzender der bmp AG, sieht die Chanen der Krise in den auf ein realistisch zurechtgestutzen Unternehmensbewertungen: "Wir können heute wesentlich preiswerter in ein interessantes Unternehmen einsteigen, als das noch vor ein, zwei Jahren der Fall war." Und nach wie vor gebe es interessante Geschäftsbereiche, in die es sich zu investieren lohne, etwa in die Nanotechnologie.

Die aus England stammende New Media Spark, spezialisiert auf Early-Stage-Finanzierung im Informationstechnologie- und Internetbereich, hat in diesem Jahr den Sprung nach Deutschland gewagt. "Wir glauben an das Internet", sagt der Geschäftsführer des deutschen Zweiges, Alexander Eichner. Vorläufig möchte sich New Spark Media aber darauf konzentrieren, nach Kooperationen und Ergänzungstechnologien für ihre bestehenden rund 50 Beteiligungen im Ausland zu suchen.

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