Wirtschaft : New Economy: US-Unternehmen setzen auf den alten Kontinent

gil/koe/tnt

Führende Unternehmen der IT-Branche sehen in Europa die künftig wichtigste Wachstumsregion für die Informationstechnologie. Experten rechnen deshalb für die kommenden Jahre mit einem stärkeren Engagement vor allem von US-Unternehmen auf dem alten Kontinent. "Der Wettbewerb in der europäischen ITBranche wird in den nächsten Jahren härter werden", sagte Menno Harms, Auftsichtsrats-Chef des Geräteherstellers Hewlett Packard Deutschland und Vizepräsident des IT-Branchenverbandes Bitkom gegenüber dem Handelsblatt. Entscheidend sei jedoch, dass es Europa gelinge, sich in den nächsten Monaten vom negativen US-Trend abzukoppeln. Der gesamte westeuropäische Markt für Informationstechnik und Telekommunikation wird nach Berechnungen des European Information Technology Observatory (Eito) im Jahr 2001 um elf Prozent auf ein Volumen von knapp 600 Milliarden Euro zulegen. Das bedeutet zwar gegenüber dem Vorjahr einen Rückgang der Wachstumsrate um zwei Prozent, trotzdem wächst der IT-Markt in Europa schneller als in den USA. Dort rechnet das Eito mit einem Wachstum von 8,3 Prozent und in Japan mit 5,9 Prozent.

"Noch vor einem Jahr war der europäische Markt für uns kaum interessant, inzwischen liegt der Umsatzanteil bereits bei 30 Prozent", sagt Greg Peters. Vorstandsvorsitzender des US-Internet-Softwareherstellers Vignette. Aus Sicht des US-Unternehmens seien es aber vor allem die großen europäischen Industrieunternehmen, die als Kunden interessant seien.

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Zurückhaltend äußert sich der Softwareriese SAP AG. Die wirtschaftliche Entwicklung in den USA und Japan sei ungewiss, erklärte der Vorstandschef Henning Kagermann. Aber auch SAP erwartet in Europa keinen dramatischen Einbruch. Ein traditionell starkes Europa-Geschäft betreibt der französische Telekommunikationsausrüster Alcatel. "Der Europa-Anteil am Gesamtumsatz von Alcatel liegt derzeit bei rund 51 Prozent gegenüber 23 Prozent in den USA", sagt Alcatel-Vorstand Olivier Houssin. Trotzdem will Alcatel seine Anstrengungen auch in den USA verstärken. "Besonders der zukunftsträchtige Markt für IP-Telefonie ist in den USA rund zwei Jahre voraus", glaubt Houssin.

Treibende Kraft wird nach Auffassung des Eito in Europa die Soft- und Hardware im Umfeld des Themas E-Business sein. Eine Einschätzung, die die Darmstädter Software AG teilt. "Wir sehen in Europa eine große Bereitschaft, sich grenzüberschreitend zu vernetzen", begründet Otmar Winzig, Sprecher der Software AG, den Optimismus. Hinzu käme, dass nach einer Studie der renommierten Gartner-Group die Bereitschaft, auf die Sprache XML als künftigen Standard zu setzen, größer sei als etwa in den USA.

Ein geteiltes Bild ergibt sich dagegen im Hardware-Markt. So geht Carly Fiorina, Chefin des Computerherstellers Hewlett-Packard, davon aus, dass die Branche in Europa durchaus den Abschwung der USA zu spüren bekommen wird. Dagegen glaubt das Management von Fujitsu-Siemens, nach eigenen Angaben die Nummer zwei im europäischen PC-Markt, dass sich der europäische Computermarkt dem US-Sog entziehen kann und weiterhin deutliche Wachstumsraten erreichen wird.

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