Wirtschaft : New Economy: Zukunftstechnologie sucht Personal (Kommentar)

Alfons Frese

Knapp dreieinhalb Jahre nach der Einführung und so mancher Kursturbulenzen: Der Neue Markt ist ein großer Erfolg für Aktionäre und Unternehmen und die deutsche Wirtschaft insgesamt. Auch für den Arbeitsmarkt, wie Unternehmensberater Roland Berger berechnet hat. Das junge Börsensegment hat in kurzer Zeit viel bewirkt: Neue, viel versprechende Firmen können die Umsetzung ihrer Ideen an der Börse finanzieren; Börsengänge sind alltäglich geworden; die Aktie als Anlageform hat Attraktivität gewonnen; schließlich hat der Neue Markt dazu beigetragen, dass es in Deutschland inzwischen einen breiten Markt für Risikokapital gibt. Wie überhaupt Risikofreude und Unternehmertum schick geworden sind.

Der Neue Markt und Bergers Studie deuten auf ein Verschiebung hin: Kapital gibt es reichlich im Land, beim Angebots-Faktor Arbeit werden - trotz Massenarbeitslosigkeit - die Lücken größer. Die Green-Card-Debatte für Informationsexperten hat nur einen kleinen Teil des Problems abgebildet. Alles in allem gibt es gegenwärtig über eine Million offene Stellen, die nicht besetzt werden können. Ein Umfrage in NRW hat ergeben, dass mehr als die Hälfte der Unternehmen derzeit Mühe hat, geeignetes Personal zu finden; es fehlen vor allem Facharbeiter. Zwei von fünf Betrieben sehen auf Grund der Personalengpässe ihre Wettbewerbsfähigkeit gefährdet. Mit diesen Firmen muss man kein Mitleid haben, für ein ausreichendes Potenzial an Fachkräften sind sie vor allem selbst zuständig. Doch das Bildungssystem insgesamt - Schule, Hochschule, Duale Ausbildung, Aus- und Weiterbildung - funktioniert nicht, wenn bei vier Millionen Arbeitslosen eine Million Arbeitsplätze nicht besetzt werden können.

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