Wirtschaft : New York hofiert Bertelsmann mit üppigen Subventionen

EVA SCHWEITZER

New York. Bertelsmann wird seine US-Präsenz verdoppeln: Der Medienkonzern wird ein zweites Hochhaus nahe dem Times Square bauen, wo die Firma seit 1991 residiert. Nach Informationen der "New York Times" bekommt Bertelsmann rund 25 Mill. Dollar an Steuernachlässen und Energiesubventionen. Den Vertrag will New Yorks Bürgermeister Rudolph Giuliani heute unterzeichnen. Damit wird die Suche des Konzerns nach einem Erweiterungsbau beendet sein. Derweil protestieren Interessenverbände gegen derart hohe Subventionen für einen prosperierenden Konzern.

Der Hochhausbau war beschlossen worden, nachdem Bertelsmann 1998 Random House, einen der größten Buchverlage der USA, von der Firmengruppe Condé Nast / Advanced Publications erworben hatte. Bertelsmann, drittgrößter Medienkonzern der Welt, will seitdem seine US-Buchverlage zusammenfassen, neben Random House auch die Bantam-Doubleday-Gruppe. 1500 Mitarbeiter hat der Konzern insgesamt in New York, die auf mehrere Standorte verteilt sind. In der Zentrale am Times Square sitzen neben Buchverlagen Bertelsmann Online sowie die Bertelsmann Music Group.

Die Zentrale war von dem Unternehmen während der Immobilienkrise der End-Achtziger für nur 119 Mill. Dollar erworben worden, zum halben Marktpreis. Auch damals hatte die Stadt auf knapp 11 Mill. Dollar an Steuern verzichtet, weil der Konzern drohte, 500 Arbeitsplätze nach Minnesota zu verlagern.

Um den zweiten Bertelsmann-Bau hatte es langes Tauziehen gegeben. Zunächst wollte der Konzern direkt neben der Zentrale, zwischen Broadway und 45ster Straße bauen. Das war gescheitert, weil sich die Gütersloher mit dem Eigentümer des Grundstücks nicht über den Preis einigen konnte - von 70 bis 80 Mill. Dollar war die Rede gewesen. Zudem sollten ein Broadwaytheater und einige Läden auf dem Grundstück mit einer aufwendigen und teuren Säulenkonstruktion überbaut werden. Bei Bertelsmann wurden gleichwohl schon mal Pläne geschmiedet, beide Hochhäuser mit einer oder mehreren Fußgängerbrücken über die Straße hinweg zu verbinden, was in der New Yorker Presse böse Schlagzeilen mit dem Zungenschlag "Unternehmen ohne Raum" gemacht hatte. Ohnehin hatte die New Yorker Kulturszene mit Unbehagen registriert, daß ein deutscher Konzern zwei Drittel des amerikanischen Buchmarktes kontrolliert.

Nachdem dieses Vorhaben scheiterte, wurde ein neues Grundstück zwischen Broadway und 55ster Straße gefunden. Projektentwickler wird Related Companies sein, die bereits die neue Time-Warner-Zentrale bauen, nur vier Blocks von dem neuen Bertelsmann-Standort entfernt. Bertelsmann wird in dem neuen Hochhaus 65 000 von insgesamt 85 000 Quadratmetern einnehmen, der Rest ist Ladenfläche. Nicht der Neubau selbst, aber die Tatsache, daß dem Unternehmen derart hohe Subventionen gewährt werden, stößt in New York auf Kritik. Brian Backstrom, Vizepräsident eine konservativen Anti-Steuer-Gruppe, sprach von einer "Form der Erpressung", wegen der Drohung, die Arbeitsplätze zu verlagern - die allerdings nicht explizit ausgesprochen wurde. Andere Gruppen wiesen darauf hin, daß Subventionen für Konzerne letztlich zu Lasten kleiner und mittlerer Unternehmen gehen würden, die damit die volle Last der - in New York sehr hohen - Grundsteuer tragen müßten.

Allerdings ist Bertelsmann kein Einzelfall. Rund zwei Mrd. Dollar sind in den letzten fünf Jahren an "Blue Chip Corporations" geflossen, Spitzenfirmen aus dem High-tech- und Medienbereich. Zu den Empfängern gehört die New Yorker Börse, Medienunternehmen wie CBS, NBC, Reuters oder Condé Nast / Advanced Publications sowie auch die New York Times. Am Times Square, wo derzeit ein neues Medienmekka entsteht, verzichtet die Stadt auf Hunderte von Steuermillionen.

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