Wirtschaft : Nicht alle wollen früh buchen

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Von Flora Wisdorff

Die Tui macht es wie die Bahn. Sie setzt auf Frühbucher. TuiDeutschland-Chef Volker Böttcher sagte am Montag den Last-Minute-Reisen den Kampf an: Wer sich früh für eine Reise entscheidet, soll stärker profitieren als diejenigen, die ihre Entscheidung heute erst im letzten Moment treffen. Denn es stört den Touristikkonzern, dass er kaum noch planen kann, weil die Urlauber sich in der Wirtschaftskrise nicht festlegen wollen, für eine Reise viel Geld zu bezahlen, wenn sie um ihren Job fürchten müssen. Die Tui und andere Konzerne wollen Schluss mit dem Last-Minute-Boom machen, um ihre Kapazitäten besser auslasten zu können.

Das ist eine riskante Strategie. Denn Last-Minute-Bucher schätzen nicht nur den günstigen Preis, sondern auch die Flexibilität. Wie bei der Bahn ist die Gefahr groß, dass die Verbraucher sauer reagieren, wenn die Reiseunternehmen ihnen diese Möglichkeiten nun beschneiden. Denn: nicht mehr die Gewissheit, in einem bestimmten Hotel an einem festen Strand im gewohnten Ort zu landen, ist wichtig. Sondern die, dann reisen zu können, wann man will. Die Tui dagegen will vermeiden, nicht verkaufte Reisen verramschen zu müssen. Das ist zwar richtig. Nur dürfen die Reisekonzerne nicht darauf hoffen, dass alle Kunden wieder bereit sind, ein halbes Jahr im Voraus zu buchen. Und: So günstig wie eine Last-Minute-Reise wird der früh gebuchte Urlaub nie sein. Die Bahn musste Lehrgeld zahlen, weil sie das spontane Fahren mit der Bahncard abschaffte – und führte es wieder ein. Weil die Verbraucher das so wollten.

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