Wirtschaft : Nicht alles Wurscht

Wiener gehören zu den Lieblingsspeisen der Deutschen. Doch als Zwischenmahlzeit taugen sie nicht. Sie sind zu fett

Jahel Mielke

Sie sind nicht nur bei der sommerlichen Gartenparty gefragt: In vielen deutschen Haushalten stehen Würstchen, natürlich mit hausgemachtem Kartoffelsalat, sogar am Heiligen Abend auf dem Speiseplan. Der Durchschnittsdeutsche isst 60 Stück pro Jahr, darunter sind Wiener Würstchen die beliebteste Sorte. Es lohnt sich also, beim Einkauf genau hinzuschauen. Die Stiftung Warentest hat Wiener Würstchen von 20 Marken geprüft, darunter Produkte im Glas, aus dem Kühlregal und von der Fleischtheke. Am wichtigsten waren den Testern Geschmack, Aussehen, Geruch und Mundgefühl, die so genannte sensorische Beurteilung. An zweiter Stelle stand die mikrobiologische Qualität, also ob sich Bakterien oder etwa Salmonellen in die Produkte eingeschlichen haben. Die Zusammensetzung der Würstchen und die chemische Qualität wurden ebenfalls geprüft. Außerdem bewerteten die Tester, inwieweit Würstchen als Teil einer Hauptmahlzeit für Erwachsene und für Kinder taugen. Denn sie sind keine Fastenspeise: Ein Würstchen besteht im Schnitt zu einem Viertel aus Fett und hat 141 Kilokalorien.

Die besten Würstchen im Test sind aus dem Glas: „Knackige Wiener“ von Böklunder, die mit 1,12 Euro je 100 Gramm eher im oberen Preissegment liegen, erhielten die Note 1,9. Vergleichbar in der Qualität und ähnlich teuer sind die Würstchen aus dem Glas von Halberstädter. Insgesamt schnitten nur acht Produkte „gut“ ab.

Die meisten getesteten Würstchen stammten aus dem Kühlregal. Sie sind in der Verpackung mit einer Schutzatmosphäre aus Kohlendioxid und Stickstoff umgeben, die sie frisch halten und vor Mikroorganismen schützen soll. In dieser Produktgruppe schnitten die „Delikatess Wiener“ von Lidl am besten ab. Die Würstchen von Netto Marken-Discount, Penny, Ponnath und Tip waren ebenfalls „gut“. Unangenehme Überraschungen gab es aber auch: Die Würstchen von Plus rochen nach Meinung der Tester nach Scheuermittel und schmeckten stark säuerlich. Im Labor wurde die Ursache entdeckt: Sie enthielten zu viele Milchsäurebakterien. Auch die Bio-Wiener von Alnatura schmeckten stark säuerlich. Außerdem fanden die Tester geringe Mengen von Enterobakterien, die auf hygienische Mängel schließen lassen. Beide Produkte erhielten die Note „mangelhaft“. Generell müssen Verbraucher keine Bedenken haben: Zwölf Produkte schnitten in der mikrobiologischen Untersuchung „sehr gut“ ab, Salmonellen oder Schimmelpilze wurden nicht gefunden.

Auch die Fleischqualität der Würstchen im Test kann sich sehen lassen: alle Produkte enthielten mehr hochwertiges Muskelfleisch als vorgeschrieben. Nur bei Meica fand sich in den Wienern wiederverarbeitete Ausschussware mit Darm. In Produkten ohne Qualitätsversprechen dürfen kleine Mengen davon vorhanden sein, Meica beansprucht aber auf dem Etikett „höchste Qualität“.

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