Wirtschaft : Nicht jede Police gehört ins Reisegepäck

JÖRG KNOSPE

Wer reist, kann etwas erleben - auch unliebsame Überraschungen. Versicherungen machen sich das zunutze und bieten Schutz. Doch die Spreu vom Weizen zu trennen, ist nicht leicht: Welche Policen brauchen Sie?

Für "teuren Ballast" hält die Stiftung Warentest zum Beispiel die Reisegepäckversicherung. Denn der Kunde muß zahlreiche Sorgfaltspflichten erfüllen. Koffer darf man auf Bahnhöfen oder Flughäfen nicht allein lassen, die Umhänge- und Fototasche muß stets am Körper bleiben. Für Schäden an Wertsachen steht zudem maximal die halbe Versicherungssumme bereit, beim Marktführer Europäische Reiseversicherung sogar nur ein Drittel. Das bedeutet: Wer eine Gepäckversicherung über 4000 DM abgeschlossen hat, kann mit höchstens 2000 DM für den Ersatz von Wertgegenständen rechnen. Im Kleingedruckten verbirgt sich zudem oft noch eine Selbstbeteiligung von 100 DM pro Schaden - ausgenommen das aufgegebene Gepäck. Außerdem ersetzen die meisten Gepäckversicherungen statt des Neuwerts nur den geringeren Zeitwert. Dann sind für einen fünf Jahre alten Anzug oder Camcorder kräftige Abschläge gewiß.

Unentbehrlich und billig ist dagegen eine Auslandsreise-Krankenversicherung. Über 20 Millionen Bürger schließen sie jährlich ab. Kassenpatienten stehen nämlich vor allem außerhalb Europas meist völlig schutzlos da. Selbst im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) und in Ländern, mit denen Sozialversicherungsabkommen bestehen (Schweiz, Türkei, Tunesien), reicht der Schutz selten. Ärzte in freier Praxis kassieren gern privat und verlangen mehr, als Barmer, DAK, Orts- oder Betriebskrankenkasse später erstatten. Und auch das klappt nur, wenn man sich vor der Reise einen Auslandskrankenschein besorgt hat.

Kurztarife für vier Wochen Urlaub gibt es schon ab 6 DM (Bayerische Beamtenkrankenkasse). Den 10-Tages-Trip versichern auch Barmenia, Landeskrankenhilfe und Union Kranken zu diesem Preis. Jahresverträge sind mit 12,60 DM bis 15 DM bei Concordia, DEVK, Victoria und Bayerischer Beamtenkrankenkasse am günstigsten. Den Kunden bleibt sogar der sonst übliche Selbstbehalt von 100 DM erspart. Einige Gesellschaften versichern zum Jahrestarif allerdings nur Reisende unter 65 Jahren (Signal, Deutscher Ring).

Für Frühbucher sowie Familien mit kleinen Kindern ist die Reiserücktrittskostenversicherung sinnvoll. Platzt der Urlaub aus wichtigem Grund oder verpaßt man den Abflug etwa wegen einer Zugverspätung, so trägt sie die fälligen Storno- und Zusatzkosten. Gleiches gilt bei schwerer Erkrankung des Versicherten oder eines nahen Angehörigen, ferner bei Impfunverträglichkeit, Tod, Einbrüchen, Feuer, Sturm oder Überschwemmung. Anerkannte Rücktrittsgründe sind auch Schwangerschaft und der betriebsbedingte Verlust des Arbeitsplatzes. Die "Europäische" zahlt zudem, wenn ein Arbeitsloser statt der Reise einen neuen Job antritt. Wer eine Reiserücktrittsversicherung abschließen will, muß sich beeilen: Spätestens 14 Tage nach Eingang der Buchungsbestätigung muß man sie abgeschlossen haben.

Beliebt, weil einfach und bequem, sind Paketpolicen für kurze Reisen. Meist werden vier, mitunter sechs verschiedene Versicherungen gebündelt. Das kostet weniger als die Einzelabschlüsse von Reisegepäck-, Rücktrittskosten-, Unfallversicherung und ähnlichem. Der Nachteil liegt aber in überflüssigem Doppelschutz, wenn etwa eine Auslandsreisekranken- oder eine Privathaftpflichtversicherung bereits vorhanden sind.

Autofahrer sind bei Panne und Unfall mit dem Schutzbrief eines Automobilclubs oder der Kfz-Versicherer gut beraten. Allianz, HUK-Coburg, Victoria & Co bieten ihre Dienste als Bestandteil der Autohaftpflicht schon ab 13 DM an. Der Abschluß einer Vollkasko-Versicherung empfiehlt sich in südlichen Gefilden allemal. Ein Kurztarif lohnt aber nur, wenn der Wagen noch einige Tausender wert ist. In die Brieftasche gehört zudem nach wie vor die "Grüne Karte" mit den wichtigsten Angaben über den eigenen Haftpflichtschutz. Bei Unfällen, vor allem in Italien, erspart sie einem viel Ärger mit der Polizei.

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