Wirtschaft : „Nicht krampfhaft festhalten“ Umweltminister Sander (FDP) über das Trennen

Herr Minister, warum sollen die Deutschen ihren Müll nicht mehr trennen?

Als die Mülltrennung eingeführt wurde, waren unsere Abfälle überwiegend noch wirklich Abfälle. Heute ist aber manches ein Wertstoff, für den derjenige, der einsammelt, viel mehr Geld bekommt als früher. Nach zehn oder 15 Jahren müssen wir uns fragen, ob wir wirklich krampfhaft daran festhalten sollen. Beim Dosenpfand gilt dasselbe.

Also werfen wir künftig wieder alles in eine Tonne?

Zunächst brauchen wir für eine Weile als Übergang die „Gelbe Tonne plus“, in die auch Kunststoffe oder zum Beispiel Elektroschrott hineingepackt werden kann. Aber auch die könnte nach einem gewissen Zeitraum wegfallen. Dass wir die noch zehn Jahre brauchen, kann niemand sicher behaupten.

Ohne Mülltrennung in den Haushalten entstünde aber doch wieder ein riesiger Einheitsmüllberg, der im Zweifel lieber billig im Ausland entsorgt würde.

Eben nicht. Die Abfallwirtschaft wird sich sofort darauf einstellen. Wenn sie mehr Stoffe bekommt, wird das in großtechnischen Anlagen fein sortiert, um den Erlös zu maximieren.

Und das soll auch noch Kosten sparen?

Es wäre schon ein Erfolg, wenn die Gebühren auf dem heutigen Niveau bleiben. Aber wenn alles weitergeht wie bisher, steigen die Kosten unterm Strich für die Verbraucher kräftig an.

Das DSD, das größte Unternehmen, das an der Gelben Tonne verdient, könnte solche Änderungen nicht überleben.

Im Mittelpunkt steht der Verbraucher. Er entscheidet, wer am Markt überlebt. Das ist soziale Marktwirtschaft.

Erst mal will die Bundesregierung die Gelbe Tonne beziehungsweise das Duale System aber stärken und weitet es sogar noch aus.

Wenn wie geplant auch noch auf die Brötchentüte und andere Serviceverpackungen ein Zuschlag erhoben werden soll oder der Bäcker die Tüte wieder zurücknehmen muss, ist irgendwas nicht in Ordnung. Das versteht keiner. Solche Regeln möchte ich im Bundesrat ändern und hoffe, dass ich Verbündete finde.

Es dürfte schwierig sein, den Deutschen klarzumachen, das Mülltrennen möglicherweise nicht mehr sinnvoll ist.

Das stimmt. Wir haben die Menschen zum Trennen erzogen. Und jetzt sagen wir, aus technischen und wirtschaftlichen Gründen muss das nicht mehr der Verbraucher selbst machen. Es wird auch uns Politikern nicht leichtfallen, das zu erklären.

Hans-Heinrich Sander (FDP) ist niedersächsischer Umweltminister im Kabinett unter

Ministerpräsident Christian Wulff (CDU). Das Gespräch

mit Sander führte Nils-Viktor Sorge.

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