Wirtschaft : Nicht mehr als 50 Euro

Air Berlin will eine Aktie an die Börse bringen, die sich Privatanleger leisten können – die Alteigentümer machen derweil Kasse

Matthias Eberle,Henrik Mortsiefer

Frankfurt am Main/Berlin - Die Fluggesellschaft Air Berlin ist zuversichtlich, keine hohen Preisabschläge bei ihrem Börsengang am 5. Mai in Kauf nehmen zu müssen. Zu Beginn der Werbetour bei Investoren zeichnet sich ab, dass die auf günstige Urlaubs- und Geschäftsreisen spezialisierte Fluglinie mit einem Emissionserlös zwischen 600 und 800 Millionen Euro rechnen kann. „Einen Wert knapp oberhalb von 700 Millionen Euro halte ich für gerechtfertigt“, sagte Uwe Weinreich, Luftfahrt-Analyst der Hypo-Vereinsbank, dem Tagesspiegel. Trotz des hohen Ölpreises und des Preiswettbewerbs im Europaverkehr werde der Kostenführer Air Berlin 2006 Gewinne einfliegen und „auf mittlere Sicht eine Erfolgsstory bleiben“, betonte er.

Die beiden Konsortialbanken Commerzbank und Morgan Stanley sagen Air Berlin im laufenden Jahr einen Gewinnsprung beim Nettoergebnis auf gut 50 Millionen Euro voraus, der 2007 auf über 80 Millionen Euro steigen soll. Dieses Ziel soll laut Finanzchef Ulf Hüttmeyer über Kostensenkungen, Preiserhöhungen und Mehreinnahmen aus Zusatzgeschäften erreicht werden. Für 2005 wies die Gesellschaft noch einen Nettoverlust von 115 Millionen Euro aus. Grund war vor allem die Umstellung auf den Bilanzierungs-Standard IFRS.

Während sich potenzielle Investoren wie die Fondsgesellschaft Union Investment im Vorfeld des Börsengangs skeptisch zeigten, spricht Air Berlin von „positiven Signalen“ aus der Finanzszene. Insbesondere britische Investoren, die mit Aktien der führenden Billigfluggesellschaften Ryanair und Easyjet gute Erfahrungen gemacht haben, gelten als interessiert. Während Air Berlin seine Aktien im Ausland nur institutionellen Investoren anbietet, werden in Deutschland über eine große Werbekampagne auch gezielt Privatanleger angesprochen. Um einen attraktiven Ausgabepreis zu gewährleisten, wird kurz vor Bekanntgabe der Preisspanne am kommenden Donnerstag ein Aktiensplit erwartet. Ohne diesen Schritt würde der Ausgabepreis bei 12,5 Millionen Aktien über 50 Euro liegen – „zu teuer für Privatanleger“, wie es in Unternehmenskreisen hieß.

Die nach Lufthansa zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft will aus einer Kapitalerhöhung rund 350 Millionen Euro erlösen, wovon nach Abzug aller Kosten netto 290 Millionen Euro übrig bleiben. „Ich persönlich würde mich freuen, wenn es etwas mehr wird“, sagte Vorstandschef Joachim Hunold am Freitag vor Journalisten. 50 Prozent des Nettoerlöses würden für die Finanzierung einer Großbestellung bei Airbus – 60 Jets vom Typ A320 im Volumen von rund drei Milliarden – verwendet, hieß es. Bislang hatte Air Berlin betont, man benötige für den Kauf der 60 Jets keine Einnahmen aus dem Börsengang. Weitere 40 Prozent der Erlöse sollen in die Ausweitung des Streckennetzes fließen, die restlichen zehn Prozent in die Refinanzierung bestehender Verbindlichkeiten.

Hunold, der fünf Prozent an Air Berlin hält, wird im Rahmen des Börsengangs keine Aktie abgeben und hat sich verpflichtet, auch danach 18 Monate lang keine Anteilsscheine abzustoßen. Die Altaktionäre indes werden die Hälfte ihrer Anteile abgeben und dafür schätzungsweise insgesamt 350 Millionen Euro kassieren. Die restlichen 50 Prozent werden sie mindestens sechs weitere Monate halten. 26 Prozent von Air Berlin gehören der Ringerike GmbH & Co. Luftfahrtbeteiligungs KG. Die größten privaten Anteilseigner sind Hans-Joachim Knieps (25 Prozent), Werner Huehn (15 Prozent) und die Geschwister Rudolf und Severin Schulte (je 12,5 Prozent).

Aktionärsvertreter kritisierten den hohen Anteil der Aktien, die die Altaktionäre verkaufen. „Das Geld, das den Altaktionären zufließt, geht an Air Berlin vorbei“, sagte Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Zwar sei eine Umplatzierung legitim, das Unternehmen könne aber jeden Euro gut gebrauchen. „Air Berlin bewegt sich in einem umkämpften Markt.“ Zu begrüßen sei, dass Hunold seine Aktien ungewöhnlich lange halten wolle.

Die Liste der angefragten Aufsichtsräte von Air Berlin ist so hochkarätig wie pikant: Zu den so genannten Non-Executive-Directors soll auch Bahn-Chef Hartmut Mehdorn gehören. Als Verfechter eines integrierten Verkehrssystems, der bei Reisen bis zu 400 Kilometern die Bahn im Vorteil sieht, fürchte er keine Interessenskollision zwischen ihm und Mehdorn, betonte Air-Berlin-Chef Hunold. In der Vergangenheit hatte Mehdorn heftig gegen die Billigflieger gewettert und zuletzt sogar eine Klage in Luxemburg angestrengt.

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