Wirtschaft : Nicht waschmaschinentauglich!

David Woodruff,G. Thomas Sims

Drei Wochen nach dem erfolgreichen Start des Euro-Bargeldes stellen viele die Frage: Wird die neue Währung mit der Zeit auch standhalten? Vielleicht - vorausgesetzt allerdings, Sie halten das Geld von der Waschmaschine fern. Zu diesem Schluss kommt eine streng unwissenschaftliche Testreihe, in der ein knisternd-neuer Zehn-Euro-Geldschein sieben anderen konkurrierenden Banknoten gegenüber gestellt wurde. Dabei handelte es sich um Dollar, Yen, britisches Pfund, Schweizer Franken und eine Reihe alter europäischer Währungen, die vom Euro ersetzt wurden.

Zum Thema Online Spezial: Euro - Das neue Geld ist da!
Bei den Tests wurden die Banknoten allen Arten von Gefahren ausgesetzt - angefangen vom kräftigen Knüllen bis zum Verschütten von Wein, vom Waschen mit schweißdurchtränkter Kleidung bis zum Bügeln. Wir brachten das Geld auch in die Trockenreinigung. Letzten Endes waren alle Scheine lädiert - doch der Euro sah mitgenommener aus als viele andere Währungen und der glänzende Hologramm-Streifen hatte sich zum Teil gelöst. Hingegen kamen der 1000-Yen-Schein, die 10 000-Lire- und die Zehn-Mark-Noten relativ unversehrt bei weg. Richtig gut sahen die getesteten zehn Dollar und zehn Schweizer Franken aus - wenn man einmal von den rosafarbenen Flecken absieht, die ein billiger Bordeaux-Wein hinterlassen hatte.

Ob die Testniederlage des Euro ein schlechtes Omen für das Schicksal der Währung ist - das wird die Zukunft zeigen. Fairerhalber muss man erwähnen, dass die schimmernden Hologramme - die potenziellen Fälschern ihr Handwerk erschweren sollen - auch bei anderen Währungen recht anfällig sind. "Je weniger auf einem Geldschein ist, desto weniger kann abgehen", sagt Bert Melis, Chef der holländischen Druckerei Joh. Enschede en Zonen Bankbiljettendrukkerij BV. Das Unternehmen druckt Euros für die Niederlande, Luxemburg, Griechenland und weitere EU-Länder.

Zurück zu den Tests. In ihrem kurzem Leben auf der Straße haben Euro-Scheine zahlreiche Folterungen durch Verbrauchergruppen und Medien erleiden müssen. Die Europäische Zentralbank aber lehnt es ab, sich zu den verschiedenen Tests - auch den des Wall Street Journals - zu äußern. "Eine Banknote wurde nicht dafür hergestellt, gewaschen zu werden", stellt Peter Walter klar. "Geldscheine sind nicht aus Stahl." Walter ist Leiter der Banknoten-Abteilung der Bundesbank und damit für den Druck eines Drittels aller Euro-Noten verantwortlich.

Solche Äußerungen hinderte ein deutsches Labor indes nicht daran, kleine Mengen an giftigen Chemikalien an Zehn-Euro-Noten festzustellen. Die Verbraucherzeitschrift Ökotest schrieb daraufhin prompt, die Scheine müssten eventuell als giftig eingestuft werden. Darauf erklärte das EZB-Ratsmitglied Eugenio Domingo Solans: "Ein Bestandteil der Druckfarbe wird gesundheitsschädlich, wenn man 400 Scheine zu sich nimmt", sagte er. "Daher ist der Verzehr von Euro-Noten nicht empfehlenswert - ganz abgesehen davon, dass er teuer ist."

An Nahrungsmittel dachte auch der Journalist Karel Knip des Rotterdamer NRC Handelsblad, als er eine Fünf-Euro-Note in ein mildes Säurebad-Bad tauchte. Das, so dachte er, würde zeigen, was passiert, wenn ein Geldschein zum Beispiel auf Sauerkraut fällt. Der Schaden durch die Säure war gering. Allerdings wurde der Hologramm-Streifen verschandelt, sagt Knip. Journalisten der Bild-Zeitung gingen noch weiter. Sie hielten einen Zehn-Euro-Schein an eine Flamme. Und sie fuhren mit dem Auto über eine Euro-Note und traten dabei stark aufs Bremspedal. Der Schein ging kaputt.

Auch wenn unser eigener Test im Vergleich harmlos war, sorgten wir doch vor: Für alle Fälle liehen wir uns die Scheine, statt unser eigenes Geld der Gefahr auszusetzen. Eine Pariser Clearingstelle für Geldwechsler, die CPR Billet, erklärte sich bereit, uns eine Reihe fast neuer Geldscheine zu leihen. Man werde die Scheine kostenlos wieder zurücknehmen, vorausgesetzt, die Banknoten würden noch als solche zu erkennen sein, hieß es bei CPR Billet. Zuerst warfen wir die Geldscheine mit - wohlriechenden - Sportsachen in eine Matura Turbo-Waschmaschine. Die Noten rotierten bei 30 Grad im Wasser, und wurden dann bei einer Drehzahl von 1200 pro Minute geschleudert. Nachdem wir sie über Nacht auf dem Küchentisch getrocknet hatten, stopften wir sie in die Taschen einer alten Jacke und stapften damit zur Trockenreinigung. Die Chefin des Ladens war von der Idee so begeistert, Geld zu waschen, dass sie bereit war, die Jacke noch am gleichen Nachmittag zu reinigen - sehr viel schneller, als sonst. Später gab sie uns die Geldnoten (vollständig) in einer Plastiktüte mit der Jacke zurück. Auf der Rechnung stand: "Reinigung von Banknoten - elf Euro."

Als nächsten Schritt knüllten wir jeden Geldschein zusammen und bügelten ihn anschließend mit dem Bügeleisen wieder glatt. Zum Schluss legten wir die Banknoten in eine Reihe und stellten dann auf jede ein Glas mit Rotwein, an dem etwas Wein übergelaufen war. Anschließend wischten wir die rote Flüssigkeit mit einem Schwamm weg. Danach war auf jedem Schein ein lilafarbener Ring zu sehen - besonders stark auf den Zehn-Dollar- und Pfund-Noten. Seit Jahrhunderten - genauer, seit Geldscheine im 10. Jahrhundert in China in Umlauf kamen - arbeiten Drucker und Zentralbanker daran, Banknoten robuster zu machen.

Einfach ist das nicht, weil sie zwei Dinge in Einklang bringen müssen: Die Noten müssen einerseits die Strapazen des täglichen Gebrauchs überstehen - andererseits aber für Amateure schwer kopierbar sein. Und letzteres wird im Zeitalter von Computer, Scannern und Druckern eine immer größere Herausforderung. Die EZB begegnet letzterem mit Sicherheitsmerkmalen wie Wasserzeichen, Hologrammen und speziellen Druckfarben, deren Farbton sich mit wechselndem Lichteinfall verändert. Selbst auf dem kleinsten Schein - den Fünf-Euros - sind die aufwendigen Sicherheitsmerkmale enthalten. Dagegen haben die USA beziehungsweise das zuständige "US-Bureau of Engraving and Printing" eine konservative Haltung, was die Verwendung solcher auffallenden Sicherheitsmerkmale betrifft - vor allem bei Scheinen mit geringem Geldwert, die am meisten gefälscht werden.

Das Ergebnis: Die Herstellung von Euro-Scheinen kostet im Schnitt acht Euro-Cents, die von US-Noten dagegen vier US-Cents. Vor sechs Jahren - als die USA die Gestalt einiger Geldnoten veränderten - wurde zwar auch über Hologramme diskutiert. Doch schließlich entschied man sich dagegen, weil man die Silberstreifen als zu fragil befand. Es ist eine sehr dünne Folie", sagt Thomas Ferguson, Chef des "Bureau of Engraving and Printing" in Washington. Auch ohne Hologramm "denken wir, dass der Dollar im Vergleich mit anderen Währungen gut dasteht", was die Fälschungssicherheit betreffe, sagt er.

Zurück zu den Tests von Euro-Noten: Vor der Einführung der europäischen Währung haben die Zentralbanker die neuen Scheine Strapazen ausgesetzt, auf die wir selbst nie gekommen wären. So tauchten sie Geldscheine 30 Minuten lang in künstlichem Schweiß (für Hobby-Chemiker: man verrühre fünf Gramm Kochsalz, ein Gramm Harnstoff oder Urea und ein Gramm Milchsäure in einem Liter Wasser). Das störte die Banknoten nicht weiter - ebenso wenig übrigens wie Benzin oder Alkohol. Anders bei so genannter Xylene, einem Lösungsmittel zur Herstellung von Gussformen. Ein 30-minütiges Bad darin hat die Geldscheine hübsch gebleicht. Die Erschaffer des Euros beschleunigten auch den Alterungsprozess der Währung: Sie vermengten die Scheine mit Erde und Sand in einer Art kleiner Zementmischer.

Doch auf die schlimmste Probe stellte die EZB den Euro beim Krumpeltest: Dabei wird eine Banknote zusammengerollt, so dass sie etwa den Durchmesser einer Zigarette hat, und in eine Metallröhre gesteckt. Dann drückt ein Kolben den gerollten Geldschein auf wenige Millimeter zusammen. Anschließend wird die Note herausgenommen, glattgedrückt und andersherum gerollt - und die Tortur wiederholt sich. Am Ende ähnelt das zerdrückte Papier noch einer Banknote - aber einer übel zugerichteten.

Als wir nach den Tests auf unseren eigenen Stapel mitgenommener Geldnoten blicken, beruhigt uns das Wissen, dass jede Zentralbank im Euroland zerrissene, schmutzige und ausgebleichte Noten gegen knisternd-neue eintauscht. Zunächst stellte sich jedoch für uns die Frage: Würde die CPR Billett, die uns die Geldscheine geliehen hatten, die, hm, testmüden Banknoten zurücknehmen? Sie tat es. Ein gutes Zeichen für den Euro.

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