Wirtschaft : Nicht weit vom Stamm

Apple wird seine Erfolgsstory auch ohne Steve Jobs fortsetzen, glauben Branchenexperten

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Eine treue Fangemeinde. Immer wieder gelingt es Apple, den Verkaufsstart neuer Produkte – hier des iPads in Deutschland – als Happening zu inszenieren. Foto: picture alliance/dpa
Eine treue Fangemeinde. Immer wieder gelingt es Apple, den Verkaufsstart neuer Produkte – hier des iPads in Deutschland – als...Foto: picture alliance / dpa

Berlin - Bei Apple geht eine Ära zu Ende: Mit seinem überraschenden Rücktritt hat Gründer und Firmenchef Steve Jobs erhebliche Unruhe in der Branche und an der Börse ausgelöst. Die Nachricht schickte die Apple-Aktie auf Talfahrt. Wie geht es mit Apple weiter? Fragt man die Börse, trauen die meisten Investoren dem neuen Unternehmenschef Tim Cook offenbar nicht zu, das Unternehmen auf dem Erfolgskurs zu halten, auf den Steve Jobs es gebracht hat. Doch es gibt auch viele Stimmen, die das nicht so pessimistisch sehen.

Die Nachricht vom Rücktritt, die Apple am Mittwochabend in Kalifornien mitteilte, als die Börse in New York schon geschlossen war, ließ den Apple-Kurs im nachbörslichen Handel um fünf Prozent absacken. Das Papier des Konkurrenten Samsung, mit dem sich Apple derzeit einen weltweiten erbitterten Patentstreit liefert, ging danach mit einem Gewinn von 2,4 Prozent aus dem asiatischen Handel. Sony-Aktien legten 2,1 Prozent zu. Doch am Donnerstag sah es bei der Börse in New York um die Apple-Aktie schon nicht mehr so schlimm aus. Bei sehr hohen Umsätzen lag das Minus zum Vortagesschluss bei Börsenschluss nur bei 0,65 Prozent auf 373,72 Dollar.

Womöglich hat die Investoren beruhigt, dass Steve Jobs das Unternehmen nicht gänzlich verlässt, sondern künftig den Verwaltungsrat des Unternehmens leitet. Das operative Geschäft verantwortet jedoch ab jetzt Tim Cook. Der war bereits zuvor immer dann eingesprungen, wenn Steve Jobs aus gesundheitlichen Gründen pausieren musste. In einer Stellungnahme versicherte der Konzern jedoch, dass Jobs Apple mit seiner „einzigartigen Einsicht, Kreativität und Inspiration“ weiterhin helfen werde. Unter seiner Führung entstanden nicht nur schicke Mac-Rechner, sondern auch der revolutionäre iPod-Musikspieler, das Designhandy iPhone und der schlanke Tablet-Computer iPad, mit dem Apple einen ganz neuen Markt erschlossen hat. Im Herbst kommt das neue iPhone 5 heraus.

Cook werde zwar nicht das gleiche Gespür für Kundenwünsche und Marketing nachgesagt wie Steve Jobs, schreibt Markus Friebel von Independent Research in seiner Analyse. Cook habe aber durch seine operativen Entscheidungen maßgeblich zur heute überdurchschnittlichen Profitabilität von Apple beigetragen. Jobs’ Rücktritt dürfte sich in den kommenden Wochen aus rein psychologischen Gründen zwar weiter negativ auf den Aktienkurs auswirken, allerdings sieht Friebel vorerst keine negativen Auswirkungen auf die Geschäfte von Apple. Cook habe seit Januar anhand der Quartalszahlen bewiesen, dass Apple auch ohne Jobs als Chef überdurchschnittlich wachsen könne.

Ähnlich sieht es Craig Cartier, Analyst von Frost & Sullivan. Trotz Jobs’ seit 2004 immer wieder auftretenden gesundheitlichen Problemen sei Apple weiter gewachsen, habe weiter innovative Produkte entwickelt und seine loyale Kundschaft behalten. Tim Cook habe bewiesen, dass er eine fähige Führungspersönlichkeit sei. Jobs’ Rücktritt werde somit nur einen minimalen Einfluss auf Apples Fortkommen haben.

„Apple ohne Steve Jobs als täglich agierenden Vorstandschef, das ist doch bereits seit zwei Jahren gelebte Praxis“, meint Gravis-Chef Archibald Horlitz. Gravis mit Sitz in Berlin ist nach eigenen Angaben Deutschlands größter Apple- Händler. Horlitz hat Jobs bereits in den 80er Jahren kennengelernt. „Wenn Steve Jobs auf der Bühne steht und seine neuen Produkte präsentiert, dann ist das einzigartig. Da hat er ein Talent wie kein Zweiter.“ Aber Jobs habe sich nie mit schwachen Personen umgeben. „Da gibt es genug Top-Leute, die das Unternehmen nun weiterführen können.“ Die hätten auch den einzigartigen Spirit aufgenommen, den Jobs dem Unternehmen gegeben habe. „Da sind genug spannende Produkte in der Pipeline“, verspricht Horlitz, ohne Details zu nennen. „Die nächsten drei Jahre sind schon durchgeplant.“

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