Wirtschaft : Nichts für Pessimisten

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Wir möchten Ihre alltägliche Untergangsstimmung mit einem Blick auf die reale US-Wirtschaft stören: Sie steht nach den jüngsten Daten nämlich noch besser da als zunächst angekündigt. Die im Oktober erfolgte Schätzung von 3,8 Prozent Wachstum für das Bruttoinlandsprodukt wurde nach oben korrigiert auf 4,3 Prozent. Damit expandierte die Wirtschaft im Spätsommer immerhin so rasant, dass sie Wirbelsturm „Katrina“ hinter sich ließ.

So viel zu den Prognosen einer amerikanischen Rezession. Hat es jemals ein so robustes Wachstum der US-Wirtschaft gegeben, das gleichzeitig von so viel Prognosen eines drohenden Kollapses begleitet war? Seit den achtziger Jahren wohl nicht. Wenn es im dritten Quartal eine Schwachstelle gegeben hat, dann war es der Export. Doch das sagt mehr aus über die Anämie gewisser Märkte in Übersee, sprich Europa, als über die US-Wirtschaft.

So entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, wenn die in Paris ansässige Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in ihrem Bericht der vergangenen Woche vor „wachsenden“ Risiken für die Weltwirtschaft mahnt, verursacht durch amerikanische „Ungleichgewichte“. Das ist ein weiterer Hinweis auf das doppelte Defizit der USA in Handel und Haushalt, wobei weder das eine noch das andere der Welt größte ökonomische Sorge ist.

Das Handelsdefizit resultiert zum Teil aus dem schnellen US-Wachstum, das Waren aus aller Welt aufsaugt. Ohne die Exporte nach Amerika wäre Europa zu weiten Teilen erstarrt. Was das Haushaltsdefizit angeht, wurde der Verschwendersucht des Kongresses mit so viel Härte begegnet wie kaum irgendwo. Es wäre fein, wenn die OECD einräumen würde, dass die Steuersenkungen der Bush-Regierung von 2003 etwas mit dem jüngsten amerikanischen und globalen Boom zu tun haben.

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