Wirtschaft : Nichts geht mehr

Der elektronische Xetra-Handel in Frankfurt streikt. Die Aktienhändler nehmen es demonstrativ gelassen.

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Ungewohntes Bild. Weil Aktien nicht elektronisch ge- und verkauft werden konnten, blieb die sonst auf- und absteigende Dax-Kurve waagerecht. Foto: dpa Foto: dpa
Ungewohntes Bild. Weil Aktien nicht elektronisch ge- und verkauft werden konnten, blieb die sonst auf- und absteigende Dax-Kurve...Foto: dpa

Frankfurt am Main - Zum Handelsstart an der Frankfurter Börse wurde am Dienstagmorgen nur für wenige Sekunden ein Wert für den Deutschen Aktienindex eingestellt: 6548 Punkte – danach zeigte die große Anzeigetafel im Börsensaal für mehr als eine Stunde nur einen waagerechten Strich. Nichts ging mehr, das gewohnte Bild der auf- und absteigenden Dax-Kurve fehlte. Der Grund: Es gab keine Veränderungen, weil das vollelektronische Computerhandelssystem Xetra, über das fast der gesamte Aktien-Handel in Frankfurt läuft, ausgefallen war. Blackout an der deutschen Börse.

Es gebe „technische Probleme“ teilte die Deutsche Börse am Vormittag lapidar mit. Später hieß es, ein Fehler in der Hardware habe die Störung verursacht. Erst ab 10 Uhr 15 konnte der Handel wieder schrittweise aufgenommen werden, um 10 Uhr 35 – anderthalb Stunden später als üblich – waren die Probleme dann komplett behoben. Der Handel konnte seinen gewohnten Lauf nehmen, und die Kurse gaben nach. Dies war allerdings keine Reaktion auf die Computerpanne, sondern der Entwicklung in Griechenland und der gescheiterten Regierungsbildung geschuldet. Die konservative Partei Neue Demokratie, die bei den Wahlen am Sonntag stärkste Kraft geworden war, hat ihr Mandat zur Bildung einer Koalition bereits zurückgegeben.

Oliver Roth, Chef-Börsenhändler bei Close Brothers Seydler, nahm die technischen Probleme des Börsenbetreibers gelassen. „Das passiert immer mal wieder“, sagte er. „Es konnte ja weiter gehandelt werden.“ Das Abwicklungssystem für den früheren Parketthandel, der vor einem Jahr beendet wurde, hänge zwar ebenfalls an den Xetra-Rechnern, habe aber eigenständig funktioniert. Privatanleger konnten zum Beispiel nach wie vor Wertpapiere kaufen und verkaufen und auch Großanleger konnten auf das kleinere System der Wertpapierhandelsbanken ausweichen oder die Dienste der Regionalbörsen in Stuttgart, München, Düsseldorf, Hamburg oder Berlin nutzen.

Trotzdem war die Panne für die Deutsche Börse peinlich. „Xetra war eigentlich immer ein zuverlässiges System“, sagte Fidel Helmer von der Privatbank Hauck & Aufhäuser, der seit 42 Jahren an der Börse tätig ist. Schließlich gilt das Xetra-Handelssystem – Xetra steht für Exchange Electronic Trading – als eines der besten und zuverlässigsten Börsen-Handelssysteme weltweit. Mehrere Börsen auch im Ausland nutzen es mittlerweile. Großinvestoren wie Banken und Versicherungen sind weltweit direkt an das System angeschlossen. An den Handelsplätzen in Wien und Dublin, die das Xetra-System nutzen, lief das Geschäft normal, weil es dort eigene Xetra-Hauptrechner gibt. Die Börsen in Malta und Bulgarien jedoch kämpften nach Angaben des Frankfurter Marktbetreibers ebenfalls mit den Technikproblemen.

Obwohl das Xetra-System einen guten Ruf genießt, war es nicht das erste Mal, dass die Handelscomputer ausfielen. In den Jahren 2000, 2004, 2006 und zuletzt am 19. November 2007 hatte Xetra ebenfalls zeitweise seinen Dienst verweigert.

Ende November 1997 hatte der Frankfurter Computerhandel das alte System abgelöst, seitdem läuft er vollelektronisch über Xetra von neun bis 17 Uhr 30, über das kleinere System des ehemaligen Parketthandels kann von acht bis 20 Uhr ge- und verkauft werden. Mittlerweile betreibt die Deutsche Börse Xetra in der zwölften Version. Allein im April wurden über Xetra bei mehr als 17 Millionen Geschäften Wertpapiere im Gesamtvolumen von 99,2 Milliarden Euro gehandelt – allein Siemens-Papiere kamen auf ein Handelsvolumen von 5,3 Milliarden Euro. mit dapd

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